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Stand: 13.12.2019

Die Rote Listebedrohter Tier- und Pflanzenarten

Der Niedergang der biologischen Vielfalt geht unvermindert weiter

Kein Ende der Abwärtsspirale in Sicht: In ihrer aktuellen Roten Liste hat die Weltnaturschutzunion IUCN am 10. Dezember 2019 insgesamt 30.178 Tier- und Pflanzenarten als bedroht aufgeführt – das sind mehr als jemals zuvor.

Massai-Giraffe © div
Massai-Giraffe © div

Ob Primaten, Schuppentiere, Haie oder Eukalyptus: Bei vielen Spezies hat sich der Niedergang in den letzten Jahren noch beschleunigt. „Der Mensch ist der größte Feind der biologischen Vielfalt. Lebensraumzerstörung, Wilderei sowie die Klimakrise machen uns zum Artenkiller Nummer Eins“, kommentierte Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland die neuen Zahlen der IUCN. „Noch haben wir es selbst in der Hand, das größte Artensterben seit dem Verschwinden der Dinosaurier zu stoppen.“ Die Weltnaturschutzunion hat mittlerweile insgesamt 112.432 Arten untersucht, mehr als jemals zuvor. Davon gelten rund 27 Prozent als bedroht.

Beispiel Primaten

© Melissa Wozniak
© Melissa Wozniak

Weitere 18 Affenarten aus Afrika und Südamerika sind nun laut Roter Liste bedrohter als zuvor. Im Laufe des vergangenen Jahres wurde bereits einigen anderen Affenarten ein schwindender Bestand bescheinigt. Ihnen allen macht der fortschreitende Lebensraumverlust und häufig auch die direkte Bejagung zu schaffen. Inzwischen sind alle Arten der Roten Stummelaffen, die im mittleren Afrika vorkommen, als bedroht geführt. Die Tiere werden aufgrund ihres Fleisches (Bushmeat) bejagt oder verlieren ihren Lebensraum, weil riesige Waldgebiete für Äcker und Plantagen, auf denen Kakao, Kautschuk und Ölpalmen angebaut werden, gerodet werden.

Beispiel Schuppentiere

Schuppentier © naturepl.com / Jabruson / WWF
Schuppentier  © naturepl.com / Jabruson / WWF

Alle acht Schuppentier-Arten wurden von der IUCN erneut untersucht. Drei von ihnen – zwei aus Afrika, eine aus Asien – sind stärker vom Aussterben bedroht als bisher angenommen. Das Palawan-Schuppentier von den Philippinen gilt fortan als direkt vom Aussterben bedroht. Die Wilderei ist die größte Bedrohung für die Schuppentiere, sie gelten als die meist-gewilderten Säugetiere der Welt. Ihr Fleisch gilt in Vietnam und China als Delikatesse. Ihre Schuppen und ihr Blut werden als vermeintliches Wundermittel der Chinesischen Medizin gehandelt. Aberglaube und die Gier nach Delikatessen bringen die einzigartigen Tiere an den Rand des Aussterbens.

Wildkaninchen © Ola Jennersten / WWF-Sweden
Wildkaninchen © Ola Jennersten / WWF-Sweden

Beispiel Wildkaninchen

Wildkaninchen sind sehr weit verbreitet ist und werden teilweise sogar als Schädling bekämpft wird, weil sie früher in vielen Ländern eingeführt wurden, in denen sie ursprünglich nicht vorkamen. Doch in ihrem ursprünglichen Lebensraum, der sich auf Portugal, Spanien und das südliche Frankreich erstreckt, gelten sie als stark gefährdet. Ihr Bestand ist im vergangenen Jahrzehnt um bis zu 70 Prozent zurück gegangen. Dies hat wiederum Auswirkungen auf die bedrohten Arten des Iberischen Luchses und des Spanischen Kaiseradlers, die sich von den Wildkaninchen ernähren.

Beispiel Eukalyptus

Koala © Martin Harvey / WWF
Koala © Martin Harvey / WWF

Mit der Aktualisierung der Roten Liste wurden auch alle Arten von Eukalyptus untersucht. Das Ergebnis: fast ein Viertel davon ist bedroht. 812 der insgesamt 826 Eukalyptus-Arten kommen nur in Australien vor. Der Rückgang der australischen Eukalyptuswälder wirkt sich auch auf die Koalas aus, die auf ihn als Nahrungsquelle angewiesen sind. Aktuell machen den Beutelbären zusätzlich die Buschbrände zu schaffen, die aufgrund der klimawandelbedingten Trockenheit dieses Jahr besonders verheerend sind.

Beispiel Fische, Haie und Rochen

Hammerhai © Joost van Uffelen / WWF
Hammerhai © Joost van Uffelen / WWF

Immer deutlicher wird auch die Gefährdung der Artenvielfalt durch die Erderhitzung. Das gilt sowohl an Land als auch im Meer. 37 Prozent der australischen Süßwasserfischarten sind laut IUCN inzwischen bedroht, über die Hälfte von ihnen leidet direkt unter extremen Wetterbedingungen wie Wassermangel oder einer erhöhten Wassertemperatur. Zusätzlich zur Klimakrise besteht in den Meeren weiterhin hoher Druck durch unregulierte Fischerei, was sich auch in einer höheren Gefährdungskategorie von zehn Hai- und Rochenarten bemerkbar macht. Dazu zählt auch der in Korallenriffen lebende Kurzschwanz-Ammenhai, der nun vom Aussterben bedroht ist.

Dass es trotzdem gelingen kann, den Verlust der Artenvielfalt aufzuhalten, zeigen zehn Erfolgsgeschichten des IUCN-Berichts. Durch dezidierte Artenschutz-Maßnahmen hat sich der Status von acht Vogel- und zwei Süßwasserfischarten verbessert. Der Bestand des Mauritiussittichs erholt sich beispielsweise aufgrund eines erfolgreichen Nachzuchtprogramms wieder. Die Guamralle, die bereits in freier Wildbahn ausgestorben war, konnte auf einer Nachbarinsel wieder ausgewildert werden. 

Wir brauchen ein UN-Abkommen

Geigenrochen, Giraffen und Palisander sind nur Beispiele des beschleunigten Artenschwindens. „Der globale Notstand bei Tieren und Pflanzen wird zur Gefahr für den Menschen. Wir brauchen ein ambitionierteres UN-Abkommen für Mensch und Natur – vorangetrieben von den Staats- und Regierungschefs persönlich und unterfüttert mit ambitionierten Zielen, funktionierenden Prüfmechanismen und konsequenter nationaler Umsetzung“, sagt Krüger. Deutschland müsse sich auf internationaler Ebene hierfür einsetzen und auf der anstehenden Konferenz zum Washingtoner Artenschutzabkommen Ende August 2019 als starker Fürsprecher der bedrohten, biologischen Vielfalt auftreten.

Was ist die Rote Liste der IUCN?

Die Rote Liste ist ein Indikator für den Zustand der Biodiversität. Herausgegeben wird die Rote Liste in regelmäßigen Abständen von der Weltnaturschutzunion IUCN.

Für die Erstellung Roter Listen werten Experten auf wissenschaftlichen Grundlagen alle relevanten und zugänglichen Daten aus. Die Darstellung in Gefährdungskategorien stellt die komprimierteste Form der naturwissenschaftlichen Analyse dar.

Nationale Rote Listen

Neben der internationalen gibt es in anderen Ländern auch nationale Rote Listen. In Deutschland existieren neben der bundesweiten Roten Liste sogar einzelne Listen der Bundesländer. Außerdem werden in Deutschland Pflanzen, Tiere, Biotoptypen und Pflanzengesellschaften in getrennten Listen geführt. Insgesamt sind im Bundesgebiet bislang fast 40.000 Tier- und Pflanzenarten bewertet worden. Über ein Viertel davon gilt als bedroht, beziehungsweise ausgestorben.

Unzählige Arten sterben jedes Jahr aus

Der Verlust der Artenvielfalt stellt heute eine der schlimmsten Katastrophen weltweit dar. Etwa zwei Millionen Tier- und Pflanzenarten sind bislang beschrieben worden. Doch zehn Millionen Arten soll es auf der Erde geben, vielleicht auch mehr. Unzählige davon verschwinden jedes Jahr.

Neuste Erhebungen gehen davon aus, dass sich die Aussterberate durch menschliche Einflüsse mittlerweile um den Faktor 1000 gegenüber der natürlichen Rate erhöht hat. Zu den weltweit wichtigsten Bedrohungsfaktoren für die Artenvielfalt zählen vor allem Lebensraumverlust und die massive Übernutzung der natürlichen Ressourcen wie etwa durch Überfischung oder auch Wilderei. Hinzu kommen Umweltverschmutzung, Klimakrise und die Verdrängung der heimischen Flora und Fauna durch eingeschleppte Arten.

Auch der Mensch ist dadurch bedroht

Das Aussterben einer Art ist unumkehrbar und schafft unkalkulierbare Risiken. Tiere und Pflanzen haben neben ihrem Eigenwert eine Funktion im Ökosystem. Gerät dieses durch Artensterben durcheinander, so entstehen auch Folgen für den Menschen. Nahrung, Wasser und Medizin hängen in weiten Teilen der Erde direkt von einem funktionierenden und gesunden Ökosystem mit einer hohen Artenvielfalt ab. Wird dieses Ökosystem durch Artenverlust zerstört, so gerät auch die Existenzgrundlage eines Großteils der Weltbevölkerung unmittelbar in Gefahr.

Einige Gewinner und Verlierer aus dem Jahr 2018

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