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Projekt Waldrappteam - Vögel im Flugunterricht

"Amy und die Wildgänse" – An diesen Film fühlt man sich erinnert, wenn man die Pläne der engagierten Naturschützer hört: Der Waldrapp, einer der seltensten Vögel der Welt, hat das natürliche Zugverhalten verlernt und wird nun per Ultraleichtflugzeug in sein Überwinterungsgebiet geleitet. Der WWF unterstützt das ehrgeizige Wiederansiedlungsprojekt, das in dieser Form weltweit einzigartig ist.

NEWS

13.11.2018

Waldrappen leider nicht außer Gefahr

Gut zwei Monate sind die jungen Waldrappe inzwischen in ihrem Wintergebiet in der Laguna die Orbetello. Die letzten Tiere der Gruppe werden in den nächsten Wochen die Voliere in dem WWF-Schutzgebiet endgültig verlassen und dann auch auf die älteren Vögel treffen, die nach und nach ebenfalls im Wintergebiet angekommen sind.

Sie müssen lernen, dass das Überleben in Freiheit gar nicht so einfach ist. Einige der Jungvögel konnten diese Erfahrung bereits machen: Vier der im September gelandeten Tiere aus Überlingen, flogen auf eigene Faust weiter Richtung Süden. Ohne Ziehmütter, die ihnen den Weg zeigen, war das ein mehr als riskantes Unterfangen. Glücklicherweise waren die Ausreißer besendert und konnten kurz vor Rom wieder aufgesammelt und zurück ins Winterquartier verfrachtet werden. Einige ihrer Vorgänger hatten im vergangenen Jahr weniger Glück. Sie verloren die Orientierung, flogen aufs offene Meer und ertranken.

Der Verlust der mühevoll aufgezogenen und Vögel ist immer wieder traurig, aber er gehört zu solchen ambitionierten Auswilderungsprojekten letztlich dazu. Problematisch ist insbesondere in Italien die Vogeljagd. Wie bereits in den Vorjahren fallen immer wieder Tiere den Kugeln der Jäger zum Opfer. In diesem Jahr dürften mindestens zwei Rappe, die in den Vorjahren per Hand aufgezogen worden waren, gewildert worden sein. Auch wenn die toten Vögel nicht mehr gefunden wurden, legen die über die Sender erlangten Bewegungsdaten einen Abschuss nahe. Immerhin: Zumindest hat die Wilderei nicht zugenommen. Für Projektleiter Johannes Fritz ist das schon ein kleiner Erfolg und darauf zurückzuführen, dass man viel Aufklärungsarbeit über die Ansiedelung der Rappe betrieben hat.

Noch gefährlicher als die Jäger ist eine andere Bedrohung: Ungesicherte Strommasten. Stromschlag ist mittlerweile Todesursache Nummer eins bei den Waldrappen. Berühren die Vögel z.B. beim Anflug zwei Stromseile mit unterschiedlichen Spannungen oder eine Leitung und zugleich den geerdeten Mast, werden sie quasi „gegrillt“. Allein 2018 verzeichnete das Waldrappteam mindestens 14 Vögel die durch Hochspannungsleitungen ums Leben kamen. Oft werden die Kadaver trotz Sender nicht gefunden, da Füchse und andere aasfressende Wildtiere schon gelernt haben, dass unter ungesicherten Stromleitungen oft Leckereien zu finden sind. Den Waldrappen vom Bodensee ist dieses Schicksal bislang erspart geblieben. Sie integrieren sich allmählich in den Verband ihrer wildlebenden Artgenossen. Bleibt zu hoffen, dass wir möglichst viele von ihnen in ein oder zwei Jahren in Deutschland wieder sehen.

07.09.2018

Die ganze Geschichte des Waldrappflugs

Die Reise ist vorbei. Fast alle Waldrappe haben den Flug geschafft, werden jetzt von ihren Adoptivmüttern entwöhnt und treffen bald auf ihre Artverwandten, die selbstständig aus anderen Sommerquartieren nach Italien geflogen sind. Wir haben die gesamte Reise noch einmal in einem emotionalen Film aufbereitet. Sehen Sie tolle Flugsequenzen und freuen Sie sich mit dem Team über die gelungene Aktion.

31.08.2018

Waldrappe landen in Orbetello

Pünktlich zum Beginn des meteorologischen Herbstes sind unsere Waldrappe im Wintergebiet an der Laguna di Orbetello angekommen, wo sie bereits von den Kollegen vom WWF Italien erwartet wurden. Auf der letzten Etappe von Borgo de San Lorenzo nach Orbetello ließen sie die Tiere noch ein wenig Zeit und drehten eine „Ehrenrunde“. Insgesamt war der Schwarm aber sehr viel schneller unterwegs als ihre Vorgänger in den Vorjahren. In dem vom WWF gemanagten Schutzgebiet werden die Tiere jetzt von ihren Adoptivmüttern entwöhnt und nach und nach in die Freiheit entlassen. Dort treffen sie dann auf ihre gefiederten Verwandten aus Burghausen und Salzburg, die schon selbstständig die Reise in die Toskana angetreten sind und in den nächsten Wochen dort erwartet werden. Von den 31 Vögeln haben 29 den Flug gemeistert. Ein Patenvogel des WWF „Hope“ wurde leider von einem Fuchs tödlich verletzt. Ein zweiter „Caramba“ wurde ebenfalls gebissen, ist aber auf dem Wege der Besserung, musste die Reise allerdings im Transportkäfig zurücklegen.

Die Stationen und Verbindungslinien sind klickbar und enthalten detaillierte Informationen.



30.07.2018

30.06.2018

18.06.2018

Die Waldrappküken beim Umzug © Waldrappteam LIFE Northern Bald Ibis
Die Waldrappküken beim Umzug © Waldrappteam LIFE Northern Bald Ibis

27.05.2018
Hope und Sky haben die nächste Etappe ihrer Reise in die Freiheit erreicht. Am Tag nach Pfingsten ging es los. Insgesamt 33 junge Waldrappe machten sich vom Tiergarten Wien auf ins Trainingslager am Bodensee. Zu der Gruppe von 29 Jungvögeln aus Rosegg waren zuvor vier weitere Küken aus einem Gehege in Grünau gestoßen. In Wien galt es für die Gruppe sich erst einmal an ihre neuen Adoptivmütter zu gewöhnen und vor allem viel zu fressen. Dank der Spezialdiät aus zermanschten Würmern und ähnlichen Leckereien sind die Tiere inzwischen ein ganzes Stück größer geworden. Zum selber fliegen sind die Tiere aber noch ein wenig zu jung, deshalb ging es von der österreichischen Hauptstadt ganz unspektakulär mit dem Lieferwagen auf die große Reise. Nach mehreren Zwischenstopps ist die nicht so bunte Vogelschar mit ihren menschlichen Begleitern inzwischen in Überlingen am Bodensee angekommen und in eine eigens für sie hergerichteten Voliere eingezogen. Jetzt ist erst einmal Eingewöhnen angesagt. Nach einigen Wochen der Akklimatisierung beginnt im Juni, wenn die Jungvögel noch ein Stück gewachsen sind, das Flugtraining 
Lesen Sie den ganzen Bericht zum Waldrapp-Umzug

18.05.2018
"Ich hab mir nicht den Waldrapp ausgesucht und wollte mit ihm ein Wiederansiedlungsprojekt machen. Irgendwie ist der Waldrapp zu mir gekommen."
Ein Leben für den Waldrapp - Johannes Fritz ist der Mann hinter der Idee, die Waldrappe mit einem Ultraleichtflugzeug über die Alpen zu führen.
Lesen Sie das ganze Interview

16.05.2018

WWF unterstützt Artenschutzprojekt für den Waldrapp

Der Waldrapp. Er ist einer der seltensten Vögel der Welt. Sein kahles Gesicht, der sichelförmige, rote Schnabel und die strubbeligen Nackenfedern bieten einen ungewöhnlichen Anblick. Als Delikatesse verspeist und daher stark bejagt, starb er bereits im 17. Jahrhundert in ganz Mitteleuropa aus. Lediglich in Marokko, Spanien, Österreich und der Türkei gibt es noch Vorkommen des Ibis-Vogels.

Das Projekt Waldrappteam – Mission: Wiederansiedlung

Jetzt soll der Waldrapp zu uns zurück und wieder als echter Zugvogel in Deutschland angesiedelt werden. Im Rahmen eines Europäischen LIFE+EU-Projektes mit insgesamt acht Partnern aus Österreich, Italien und Deutschland sowie mit Unterstützung des WWF werden Nachzuchten aus österreichischen Tierparks aufgezogen und über die Alpen in ihr italienisches Überwinterungsgebiet begleitet, um von dort mit ihren Artgenossen im Frühjahr selbstständig gen Norden zu fliegen. Dafür wurden bereits drei Brutkolonien in Burghausen/Bayern, Salzburg und Überlingen/Baden-Württemberg gegründet. Ziel des Projekts ist es, eine eigenständige europäische Waldrapp-Population zu schaffen, deren Tiere wieder so wie ihre Vorfahren ein Zugverhalten zeigen. Es ist der erste Versuch, eine hierzulande ausgestorbene Zugvogelart wiederanzusiedeln und eine neue Zugtradition zu gründen. Die Vision: Mehr als 120 Waldrappe sollen bis zum Ende des nächsten Jahres wieder zwischen dem nördlichen Alpenvorland und der Toskana migrieren.

Voller Einsatz für die Waldrappjungen

In guten Händen – Waldrappjunge und ihre beiden Ziehmütter © Waldrappteam / LIFE Northern Bald Ibis
Waldrappjunge und ihre beiden Ziehmütter © Waldrappteam / LIFE Northern Bald Ibis

Der Weg dorthin verlangt jedoch vor allem für die menschlichen Ziehmütter und die Helfer im Camp unermüdlichen Einsatz. Tag für Tag kümmern sie sich um die jungen Waldrappe. Diese sehnen sich nicht nur nach Nähe und Zuwendung, sondern vor allem nach regelmäßigen Fütterungen. Ihre Leibspeise? Leckere Mehlwürmer. Dazwischen gibt es auch für die Waldrappjungen Schulpflicht. Für die mehrtägige Migration über die Alpen werden die Jungvögel spielerisch auf den großen Flug vorbereitet. In einem projekteigenen Trainingscamp in Überlingen werden sie trainiert, einem Fluggerät zu folgen. Sobald die Jungen groß genug sind, absolvieren sie alle paar Tage einige Flugstunden. Denn bis August müssen alle „Waldis“, wie sie liebevoll vom Projektteam genannt werden, gute Flieger sein.

Über die Alpen – Migration von Deutschland in die Toskana

Ziehmütter und Waldrappe machen sich gemeinsam auf den Weg über die Alpen © Waldrappteam / LIFE Northern Bald Ibis
Ziehmütter und Waldrappe © Waldrappteam / LIFE Northern Bald IbisLupe

In einem Ultraleichtflugzeug begleiten die Ziehmütter die Jungen dann auf einer fünf bis acht Tagesetappen dauernden „Wanderung“ ins Überwinterungsgebiet. Ziel ist ein Naturschutzgebiet des WWF Italien in der Toskana. Dort werden die jungen "Waldis" auf ihre freilebenden Artgenossen treffen und sich nach einer Eingewöhnungsphase in die Kolonie integrieren. Wenn alles gut geht, werden 2019 die ersten Waldrappe besendert und hoffentlich den Weg zurück über die Alpen finden, um das Wissen über die Route später an ihre Jungtiere weiterzugeben. Die erste Brut erwartet das Waldrappteam in Überlingen 2020.

Bis dahin warten allerdings einige Gefahren auf sie, insbesondere Stromschläge an ungesicherten Masten und besonders die illegale Jagd in Italien während der Herbstwanderung. Der WWF setzt sich weltweit gegen jede Art der Wilderei ein. Hohe Geldstrafen sollen auch in Italien Wilderer abschrecken und Abschüsse verhindern.

Der WWF als Partner im Projekt Waldrappteam

Der WWF unterstützt gemeinsam mit der Deutschen Postcode-Lotterie das Waldrapp-Projekt 2018 und 2019. Dafür hilft eine Camp-Assistenz den Ziehmütter bei der Aufzucht der Vögel. Zsofia berichtet dazu regelmäßig für die WWF-Jugend. Außerdem wird mit den Mitteln von WWF und Postcode-Lotterie eine permanente Voliere für die erfolgreiche Aufzucht der Waldrappe am Bodensee errichtet. Sie können ab Anfang Juni das Projekt in Überlingen besuchen und die jungen Waldrappe bei ihren Fortschritten beobachten.

Dank der großzügigen Unterstützung durch die Postcode Lotterie konnte ein Projektfahrzeug gekauft werden.

Auch beim Bau einer permanenten Voliere und der Realisierung des Trainingscamps in Überlingen ist die Unterstützung durch die Postcode Lotterie von großer Bedeutung.

Deutsche Postcode Lotterie
Europäischen LIFE+EU-Projekt
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