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Stand: 18.12.2019

Mangroven: Alleskönner in Gefahr

Mangroven bieten Nahrung, Einkommen und Schutz für den Menschen © Jonathan Caramanus / Green Renaissance / WWF
Mangroven bieten Nahrung, Einkommen und Schutz für den Menschen © Jonathan Caramanus / Green Renaissance / WWF

Mangroven, Wälder zwischen Meer und Land, sind ein entscheidender Baustein im Lebenszyklus tropischer Küstenökosysteme, die zu den produktivsten, artenreichsten und anpassungsfähigsten Ökosystemen der Erde zählen. Ihre auffallenden Wurzeln machen die einzigartigen Eigenschaften der Mangroven aus: mit ihnen finden sie selbst auf weichem Untergrund Halt und bieten so zahlreichen Tierarten – vor allem Jungtieren – reichlich Nahrung und einen sicheren Unterschlupf. Außerdem filtern sie das umgebende Wasser und tragen zum Aufbau von Küstensediment bei. Dadurch befestigen sie Küstenlinien und mindern die Auswirkungen von Flutwellen und Überschwemmungen. Doch sie sind stark bedroht: Seit den 1980er Jahren  sind mehr als ein Drittel der globalen Mangrovenbestände verloren gegangen.

Was sind Mangroven?

Mangroven sind salztolerante Baum- und Straucharten, die an tropischen und subtropischen Küstenlinien und Flussmündungen vorkommen. Angepasst an Extrembedingungen wie tropische Hitze, Salzwasser oder Gezeitenwechsel sind Mangroven wahre Überlebenskünstler und kommen dort vor, wo andere Pflanzen nicht überleben könnten. Laut den aktuellsten Erhebungen umfasst der weltweite Mangrovenbestand knapp 14 Millionen Hektar. Die größten Vorkommen existieren in Asien, gefolgt von Afrika, Südamerika, Nord- und Zentralamerika sowie Ozeanien. Insgesamt finden sich in über 120 Ländern der Erde Mangroven als Teil der natürlichen Küstenvegetation, Indonesien führt die Liste mit über 20 Prozent der globalen Mangrovenbestände an.

#humangroves: Mangroven bieten Lebensgrundlage für über 120 Millionen Menschen

Krabbenfischer beim Ausbringen seiner Fallen © Minzayar Oo / WWF
Krabbenfischer beim Ausbringen seiner Fallen © Minzayar Oo / WWF

Der Verlust von Mangroven hätte dramatische Folgen für Mensch und Natur: Sie sind Lebensraum und Kinderstube für über 3000 Fischarten, sowie Krebse und Garnelen. Viele Menschen in den Dörfern an der Küste leben vom Fischfang in den Mangroven und den benachbarten Küstengewässern, Kleinfischerei ist in vielen Entwicklungsländern einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Wenn die Mangroven zerstört werden, verlieren viele Küstenbewohner ihre Ernährungs- und Einkommensgrundlage.

Mangroven sind Lebensretter

Mangroven sind bekannt für ihr komplexes Wurzelsystem, welches ihnen das Leben zwischen den Gezeiten erst ermöglicht. Damit halten sie Schwebstoffe im Wasser fest und bauen mächtige Sedimentablagerungen auf. Dadurch wird ein Schutzwall gebildet, der Energie und Höhe von Wellen verringert. Das schützt die Küste und die dort lebenden Menschen effektiv vor Stürmen und Überschwemmungen. Ein Mangrovengürtel von 100 m Breite kann die Wellenhöhe um zwei Drittel verringern. Im Vergleich zu künstlichen Wellenbrechern ist die Wiederherstellung von Mangroven bis zu fünfmal kosteneffizienter. So werden Mangroven zu wahrhaften Lebensrettern!

Mangroven sind Klimaretter

Mangroven und ihre Wurzeln schützen Küste und Klima © Jonathan Caramanus / Green Renaissance
Mangroven und ihre Wurzeln schützen Küste und Klima © Jonathan Caramanus / Green Renaissance

Ins Wasser gefallene Mangrovenblätter verrotten langsamer als an Land. Über Jahrtausende haben sich dort mächtige Ablagerungen gebildet, wodurch Mangroven pro Hektar 3 bis 5 mal mehr Kohlenstoff speichern können, als Tropenwälder an Land. Wenn Mangroven, die den Boden zusammenhalten, zerstört werden, dann setzt das den über Jahrtausende gespeicherten Kohlenstoff frei. Wissenschaftler haben errechnet, dass die jährlichen CO2-Emissionen durch Mangrovenverlust größer sind als die Österreichs. Durch ihre Kohlenstoffspeicherung haben Mangroven einen positiven Einfluss auf das globale Klima. Abholzung macht aus dem „Klimawunder Mangroven“ einen „Klimakiller“.

Mangroven sind in Gefahr

Neuanpflanzung von Mangroven auf ehemaligem Rodungsgebiet, Madagaskar © Uwe Johannsen / WWF
Neuanpflanzung von Mangroven auf ehemaligem Rodungsgebiet, Madagaskar © Uwe Johannsen / WWF

Rund ein Drittel der weltweiten Mangrovenbestände wurden seit den 1980er Jahren zerstört. Sie werden für Bau- und Brennholz gerodet und müssen für Aquakultur, Landwirtschaft und Infrastrukturmaßnahmen weichen. Über ein Drittel der Mangrovenverluste wird der Garnelenzucht zugeschrieben. Neben Reisanbau fallen Mangroven zunehmend auch dem Anlegen von Soja- und Palmölplantagen zum Opfer, letzteres vor allem in Indonesien, dem Land mit dem größten Mangrovenbestand der Welt. Insgesamt erhöhen steigende Besiedlung und Nutzung von Küstenräumen, z.B. durch Tourismus, den Druck auf Mangroven erheblich. Zusätzlich zu direkten Nutzungskonflikten gefährdet auch die steigende Umweltverschmutzung durch den Eintrag von unbehandelten Abwässern, Müll und sonstigen Schadstoffen diese wertvollen Küstenökosysteme.

Save Our Mangroves Now!

„Save Our Mangroves Now!“ ist eine internationale Initiative, die politische Entscheidungsträger:innen mobilisiert und weitere Akteure:innen dabei unterstützt, den Verlust von Mangroven einzudämmen und umzukehren – weltweit und mit besonderem Schwerpunkt auf den Westindischen Ozean (WIO). Mangroven sind wichtig für jede und jeden von uns. Sie verbessern unser Klima, schützen unsere Küsten, versorgen uns mit Nahrungsmitteln und tragen dazu bei, den Lebensunterhalt von am Meer lebenden Menschen zu sichern. Die Initiative wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), dem World Wide Fund For Nature (WWF) und der Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature, IUCN) geleitet. Wir arbeiten mit weiteren Mangrovenschutz-Akteur:innen zusammen, um die Bedürfnisse von Natur und Menschen in Einklang zu bringen. Aktuellen ökologischen Herausforderungen und Lösungen geben wir eine Stimme. Folge dem Hashtag und rette die #humangroves.

Das können Sie tun:

  • Garnelen aus Aquakulturen, für die Mangroven abgeholzt oder geschädigt wurden, landen auch in deutschen Supermärkten. Achten Sie beim Einkauf und Verzehr von Garnelen und anderen Aquakulturprodukten auf das Bio- oder ASC-Siegel, mit denen verantwortungsvolle Aquakulturbetriebe zertifiziert werden. Bei den Bio-Siegeln empfiehlt sich insbesondere Naturland.
  • Erkundigen Sie sich bei Ihrem nächsten Strandurlaub, ob es einen Mangrovenwald in Ihrer Umgebung gibt und statten Sie ihm einen Besuch ab! Machen Sie z.B. eine Bootstour durch die seichten Gewässer eines Mangrovengebiets – am besten mit einem lokalen Anbieter. Dadurch lernen Sie dieses einzigartige Ökosystem besser kennen und verstehen und unterstützen zudem eine nachhaltige Einkommensquelle für die einheimische Bevölkerung.
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