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Stand: 15.01.2020

Plastikmüll im Meer - die wichtigsten Antworten

Angeschwemmter Plastikmüll © Picture Alliance
Angeschwemmter Plastikmüll © Picture Alliance

Unsere Meere ersticken in Plastik. Regelmäßig verenden Meerestiere und Vögel im Müll, täglich kämpfen Menschen mit den Begleiterscheinungen der weltweiten Müllflut. Insbesondere in Südostasien, im weltbekannten „Korallendreieck“, wird durch Massen an Plastikmüll eine unglaubliche Artenvielfalt zusätzlich gefährdet. Wenn wir den drohenden Kollaps der Meere abwenden wollen, müssen wir schnell handeln und die Vermüllung an der Quelle stoppen, also dafür sorgen, dass Müll vermieden und möglichst alle Abfälle eingesammelt werden und nicht in die Umwelt gelangen. Alle sind gefragt – Politik, Unternehmen, Umweltorganisationen wie der WWF genauso wie Verbraucherinnen und Verbraucher überall auf der Welt: Gemeinsam können wir der Plastikflut Einhalt gebieten.

Plastiktüte im Meer © Gavin Parsons / Marine Photobank
Plastiktüte im Meer © Gavin Parsons / Marine Photobank

Wie viel Müll schwimmt in den Meeren?

Eine derzeitige Schätzung des globalen Eintrags von Plastikmüll in die Meere geht von 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen pro Jahr aus. Das entspricht einer Lastwagenladung pro Minute. Nur ein geringer Teil des Plastikmülls schwimmt auf der Oberfläche, der Rest wird in tiefere Gewässer oder auf den Meeresboden verfrachtet und sind kaum zurückzuholen. Derzeit haben sich nach Schätzungen dort etwa 80 Millionen Tonnen angesammelt.

Warum ist der Müll eine Gefahr für Meere und Meerestiere?

Vogel durch Plastikring gestorben © David Cayless / Marine Photobank
Vogel durch Plastikring gestorben © David Cayless / Marine Photobank

Schätzungsweise werden über 800 Tierarten, die in Meeren oder im Küstenbereich leben, vom Plastikmüll beeinträchtigt. Das betrifft fast die Hälfte der Meeressäuger- und Seevogelarten. Meeresschildkröten verwechseln Plastiktüten mit Quallen, von denen sie sich sonst ernähren, und gehen daran zugrunde. 2050 werden vermutlich bei nahezu allen Meeresvögeln Plastikteile im Magen zu finden sein, wenn der Müll vielerorts weiter so ungehindert ins Meer gespült wird. Plastik im Magen beeinträchtigt den Verdauungstrakt der Vögel, die Tiere verhungern, weil sie sich dadurch gesättigt fühlen. Auch Lebensräume, wie Korallenriffe, werden durch Ablagerungen von Plastikmüll beeinträchtigt. Herumtreibender Plastikmüll beschädigt Korallenstöcke und verfrachtet zudem noch für die Korallen schädliche Erreger in das Riff. Dazu kommt, dass sich jedes Jahr zwischen 57.000 und 135.000 Wale, Robben und Seehunde in „Fischereimüll“, also verlorenen und weggeworfenen Tauen und Netzen verfangen.

Viele Kunststoffe enthalten umwelt- und gesundheitsschädliche Substanzen wie Flammschutzmittel oder Weichmacher, die teilweise im Meer freigesetzt werden. Diese Schadstoffe werden durch Meerestiere und Seevögel beim Verschlucken von Plastikteilen mit aufgenommen. Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass diese Stoffe im Plastik auf Muscheln, Fische und Säugetiere eine schädliche Wirkung haben.

Mikroplastik © James Leichter / Marine Photobank
Mikroplastik © James Leichter / Marine Photobank

Ein weiteres Problem ist sogenanntes Mikroplastik. Als Mikroplastik werden feste, wasserunlösliche Kunststoff-Mikropartikel definiert, die fünf Millimeter oder kleiner sind. Mikroplastik wird z.B. in Kosmetik oder ausgewählten Industrieprodukten eingesetzt. Darüber hinaus können die Kunststoff-Mikropartikel auch durch Zerfall oder Abrieb größerer Plastikteile entstehen, z.B. durch Reifenabrieb oder Abrieb von Kunststofffasern beim Waschen von Kleidung. Wissenschaftliche Studien haben in vielen Fischarten Mikroplastikpartikel gefunden. In Laborversuchen mit teils erhöhten Konzentrationen sind schädigende Auswirkungen von Mikroplastik auf einige Meeresorganismen, wie z.B. Muscheln, nachgewiesen worden. Die Auswirkungen von Kunststoff-Mikropartikeln auf den Menschen sind noch nicht erforscht. Allerdings kann Mikroplastik über die Nahrung (z.B. Fisch und Meerestiere) oder die Luft durch den Menschen aufgenommen werden. Es ist aber fraglich, ob eine Schadstoffbelastung über die Aufnahme von Mikroplastik höher ist als die Aufnahme über andere Pfade, zum Beispiel beim Umgang mit Kunststoffprodukten, die Schadstoffe enthalten.

Woher kommt der Müll?

Seevögel umgeben von Plastikflaschen © Claire Fackler / Marine Photobank
Seevögel umgeben von Plastikflaschen © Claire Fackler / Marine Photobank

Zu den bedeutendsten Ursachen für den Eintrag von Plastikmüll in die Meere gehören die massenhafte Verbreitung von Einwegplastik und die fehlenden Strukturen zum Sammeln und zur weiteren Verarbeitung von Abfällen. In Schwellen- und Entwicklungsländern werden deutlich weniger als 50 Prozent der Abfälle eingesammelt, in vielen ländlichen Regionen noch viel weniger. Grund dafür ist vor allem, dass die Müllsammlung, Entsorgung und das Recycling oft aufgrund fehlender Mittel nicht öffentlich finanziert werden kann und sich auch Unternehmen nicht an der Finanzierung beteiligen. Ein Großteil der Menschen in diesen Ländern kann seinen Abfall also nicht vernünftig entsorgen, es fehlt schlicht an der Infrastruktur dafür. Das hat zur Folge, dass sich der Müll an Land türmt und vor allem in Südostasien massenhaft, vor allem über Flüsse, ins Meer gespült wird.

Geisternetze © WWF
Geisternetze © WWF

Zusätzlich ist die „Müllbeseitigung“ der Schiffe auf hoher See ein Problem. Anstatt den Müll in den Häfen abzugeben, wirft so manche Schiffsbesat­zung – trotz aller Verbote – ihren Müll über Bord. Überdies verlieren Fischerboote manchmal ihre Netze, die dann als „Geisternetze“ in den Meeren treiben und Meerestieren zur Falle werden. Geschätzt rund ein Zehntel des Plastikmülls in den Meeren stammt aus der Fischerei.

Welche Verantwortung tragen wir in Deutschland für den Müll im Meer?

Auch aus den Ländern Europas wird Müll in die Meere eingetragen. Das Mittelmeer beispielsweise gehört zu den Meeresgebieten mit der größten Plastikverschmutzung weltweit. Auf dem Boden der Nordsee wurden beispielsweise 11 Kilogramm Müll pro Quadratkilometer ermittelt, hauptsächlich Plastik. Etwa ein Drittel der Mülleinträge stammt aus Schifffahrt und Fischerei, ein Drittel von Tourismus- und Freizeitaktivitäten an Land und auf See. In der Ostsee stammen die meisten Einträge von der touristischen Nutzung der Strände. Die Schätzungen des Eintrags von Plastikmüll aus land- und seebasierten Einträgen aus den EU-Ländern liegen zwischen 207.000 und 353.000 Tonnen pro Jahr. Hinzu kommen Mikroplastikpartikel, die über Kläranlagen, Abwassereinleitungen oder Verwehung von Land über die Flüsse in die Meere getragen werden.

Deutschland exportiert zudem seit vielen Jahren große Mengen Müll, vor allem Gewerbemüll (z.B. Produktionsabfälle), nach Südostasien, dessen Recycling sich bei uns nicht lohnt. Bisher war vor allem China das Ziel, seit dem Importstopp Chinas wird der Müll vor allem nach Malaysia, Indonesien und Vietnam verschifft. Auch dort wird aber in der Regel längst nicht alles recycelt. Es entsteht also ein Risiko, dass der Rest im Meer landet. Das ließe sich vermeiden, wenn mehr Abfall tatsächlich gut zu verwerten und zu recyceln wäre. Im Moment ist das nicht der Fall, auch nicht bei uns in Deutschland. Die Wirtschaft ist deshalb gefordert, deutlich mehr  umweltfreundliche und recyclinggerechte Verpackungen und Materialien auf den Markt zu bringen.

Was muss passieren?

Plastik gehört nicht in die Umwelt. Von den 78 Millionen Tonnen Plastikverpackungen weltweit gelangen 32 Prozent in die Umwelt - diese Menge ist viel zu hoch. Weltweit muss dafür gesorgt werden, dass alle Abfälle, sofern diese nicht vermieden werden können, vollständig eingesammelt und in einer Kreislaufwirtschaft weiter verwertet werden. Doch ein funktionierendes Abfallmanagement und die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft müssen erst einmal aufgebaut werden. Und dieses scheitert meist an einer unzureichenden Finanzierung.

In vielen Ländern Europas müssen sich mittlerweile die Konsumgüterwirtschaft und der Handel an den Entsorgungskosten für Verpackungen beteiligen. Auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern muss die Wirtschaft Verantwortung für die von ihnen in Verkehr gebrachten Produkte und Verpackungen übernehmen und sich an den Entsorgungskosten beteiligen.

Das ist aber nur der erste Schritt. Verpackungen müssen insgesamt recyclinggerechter gestaltet werden, damit eine möglichst hochwertige Verwertung möglich ist. Gleichzeitig ist der Einsatz von Recyclingmaterialien zu fördern.

Beim Schiffsmüll könnte mit einem intelligenten Belohnungssystem der Häfen, die Entsorgung sichergestellt werden, sodass die Abfälle nicht einfach über Bord geworfen werden. Und würde man Fischernetze markieren, so könnte man diese – im Falle des Verlusts – als verloren melden und leichter wiederfinden.

Ein weltweites Verbot der Beimengung von Mikroplastikpartikeln in Produkten, wie beispielsweise Kosmetika, würde helfen, die Meeresökologie vor weiterer Umweltbelastung zu bewahren. Andere Quellen von Mikroplastik, wie Abrieb von Reifen oder Textilien, sind schwieriger zu vermeiden. Lösungen können hier Designänderungen an den Produkten oder verbesserte Filterstufen bei Kläranlagen sein.

Was tut der WWF?

Der WWF konzentriert seine Aktivitäten darauf, den Eintrag von Plastikmüll an seiner Quelle zu stoppen: Also die Vermeidung von Plastikmüll und Verbesserung von Abfallsammel- und Recyclingsystemen in den betroffenen Ländern, vor allem in Südostasien. Durch seine Präsenz in diesen Ländern hat der WWF gute Voraussetzungen geschaffen, gemeinsam mit anderen Akteuren dieses Thema anzugehen.

Auf internationaler Ebene setzt sich der WWF dafür ein, dass die Rahmenbedingungen für Abfallsammlung und Recycling in den Verursacherländern verbessert werden.

 

So engagiert sich der WWF auf politischer Ebene für eine globale Vereinbarung, welche ein international verbindliches politisches Rahmenwerk für eine Verbesserung des integrierten Abfallmanagements und eine Kreislaufwirtschaft schafft.

Gleichzeitig fordert der WWF die Etablierung einer „Erweiterten Produktverantwortung“ für Unternehmen, die Produkte und Verpackungen herstellen bzw. diese in Verkehr bringen. Da die Abfallsammelsysteme in den meisten Ländern unterfinanziert sind, muss sich die Wirtschaft entsprechend an den Entsorgungskosten beteiligen. Dazu müssen auf Länderebene gesetzliche Rahmenwerke geschaffen werden, die die Entsorgung von (Plastik-)abfällen besser regeln und Voraussetzungen für eine Kreislaufwirtschaft schaffen. Der WWF unterstützt diese Aktivitäten durch Ansprache politischer Entscheidungsträger, Öffentlichkeitsarbeit und Diskussion mit Vertretern von Fachverbänden.

Der WWF ist mit eigenen Niederlassungen und Projektbüros in den Staaten vertreten, von denen aus am meisten Plastikmüll in die Meere eingetragen wird. Deshalb werden derzeit auf lokaler Ebene (z.B. in Vietnam, Hongkong oder den Philippinen) Projekte gegen den Eintrag von Müll in die Meere in Gang gesetzt.

Was kann jeder Einzelne tun?

Auch in Deutschland kann jeder Verbraucher seinen Beitrag leisten, die Verschwendung von Ressourcen und den Eintrag von Plastik in die Umwelt zu reduzieren:

  • Verzicht auf Einwegprodukte (Tüten, Einweggeschirr, Einweg-Kaffeebecher) beim Einkauf, im Urlaub etc.
  • möglichst verpackungsfreier Einkauf, z.B. in verpackungsfreienr Läden oder unverpackte Ware auf dem Markt einkaufen
  • Die Kreislaufwirtschaft unterstützen und seinen Müll richtig trennen. Anleitungen dafür gibt es auf den Internetseiten vieler Gemeinden oder beim Umweltbundesamt
  • sich an Aufräumaktionen der Gemeinden beteiligen - Plastikmüll am Ufer von Bächen und Flüssen kann auch irgendwann im Meer landen
  • Abfälle beim Strandurlaub in die bereitgestellten Behälter werfen oder wieder mitnehmen
  • auf Produkte verzichten, die Mikroplastik enthalten

Und: Um die weltweite Plastikflut zu stoppen braucht es eine weltweite Bewegung, die Politik und Wirtschaft auffordert, Teil der Lösung zu werden. Es braucht weniger und bessere Verpackungen. Es braucht Regeln für besseres Abfallmanagement und wirksame Maßnahmen, die Meere und Küsten zu schützen. Verbraucher:innen können beispielsweise auch Hersteller von Konsumgütern wie Getränken, Kosmetik oder Lebensmitteln dazu befragen, welche Verantwortung sie global für ihren Verpackungsmüll übernehmen und sie auffordern, vorbildlich voranzugehen.

Unterstützen Sie den WWF im Kampf gegen die Plastikflut

Stopp die Plastikflut © Global Warming Images / WWF

Mit 15 € im Monat setzen Sie sich dauerhaft dafür ein, die Plastikflut zu stoppen. Unterstützen Sie jetzt die WWF-Arbeit und werden Sie Ozeanretter!

WWF Modellprojekt in Vietnam © Franko Petri / WWF Austria

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Aufklärungsarbeit Vietnam © Thomas Cristofoletti / WWF US

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