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Stand: 28.05.2019

Die Gemeinsame Fischereipolitik der EU

Die Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) der EU legt sowohl für die Fischerei als auch für die Meeresumwelt wichtige Ziele fest. Aktuell verpflichtet die GFP die EU-Staaten, bis zum Jahr 2020 die Überfischung in ihren Meeren zu beenden. Um dieses Ziel zu erreichen, darf die Fischerei immer gerade so viel fangen, dass damit der höchstmögliche Dauerertrag (Maximum Sustainable Yield, MSY) eingehalten wird. Der MSY markiert für jeden Fischbestand die größtmögliche Menge Fisch, die entnommen werden kann, ohne die gesunde Bestandsgröße zu gefährden. Die Realität sieht leider anders aus.

Fischerboote im niederländischen Hafen von Lauwersoog © TW van Urk / iStock / GettyImages
Fischerboote im niederländischen Hafen von Lauwersoog © TW van Urk / iStock / GettyImages

Zu den weiteren Zielen der Fischereipolitik zählen die Beendigung der verschwenderischen Rückwurfpraxis, die Minimierung der Umweltschäden durch die Fischerei wie auch eine wettbewerbsfähige Fischereiwirtschaft.

 

Auf dem Papier lesen sich diese Ziele erst einmal sehr vielversprechend. Doch bei genauerer Betrachtung lassen sie bzw. die Erfolge ihrer Umsetzung auf nationaler und regionaler Ebene sehr zu wünschen übrig: Zur Halbzeit der alle zehn Jahre reformierten Politik wurden Ende des Jahres 2018 in Nord- und Ostsee noch immer 41 Prozent der Fischbestände überfischt. Ebenso stemmt sich die Fischerei-Industrie noch immer gegen die Regeln des Rückwurfverbotes bzw. der Anlandeverpflichtung. Außerdem wird auch das Versprechen der Politik, die Empfehlungen der Wissenschaftler stets als Entscheidungsgrundlage für ihre Entscheidungen zu Fischfangmengen zu machen, immer wieder gebrochen. Noch immer erlauben die Fischereiminister der EU-Mitgliedstaaten Fangmengen, die teilweise weit oberhalb der wissenschaftlichen Empfehlungen liegen.

 

Regeln werden nur langsam umgesetzt

Aus Umweltsicht ist die Ernüchterung also groß: Die Mitgliedstaaten der EU setzen die eigentlich guten, neuen Regeln für die eigenen Fischereien und Meeresgebiete nur unvollständig und im Schneckentempo um. Wenn sich aber alle Fischbestände langfristig erholen sollen, muss sich diese Haltung dringend ändern. Neben der Einhaltung der vereinbarten Ziele gehört dazu auch eine wirksame Kontrolle der Fischerei, ein entschlossenes Vorgehen gegen illegale Fischereiaktivitäten sowie eine Subventionspolitik, die eine umweltschonende Praxis belohnt und so zukunftsfähig wird.

 

EU-Flotten fischen weltweit

Hinzu kommt, dass die Herausforderungen im Kampf gegen die Überfischung nicht nur vor unserer eigenen Haustür liegen: Die europäische Flotte hat erheblichen Einfluss auf die Ozeane weit weg vom Heimathafen. Eine Handvoll Fischereinationen aus der EU fängt beispielsweise Fisch in den Meeresgebieten von westafrikanischen Staaten. Damit dadurch nicht unser Überfischungsproblem in andere Regionen der Welt exportiert wird, gelten seit 2014 für alle Schiffe unter EU-Flagge die gleichen Regeln.

Weltweit kann die Fischerei nur dann langfristig profitabel sein, wenn die Fischbestände in gutem Zustand und die Meere gesund sind. Auch für die Zukunft der globalen Ernährungssicherheit ist der langfristige Erhalt der Ressource Fisch ein zentrales Thema. Um all diese Probleme zu lösen, braucht es einen starken politischen Willen, in Deutschland, in Europa und darüber hinaus. Der WWF mit seinem gesamten europäischen Netzwerk hat sich diesen Zielen verschrieben.

Überfischung nur minimal verringert

Seit der Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) in 2013 wurde die Überfischung im Nord-Ost-Atlantik nur minimal verringert. Trotz des guten Ziels bis 2020 eine Erholung der Fischbestände und gute, nachhaltige Fangmengen zu erreichen, werden nach wie vor 41 Prozent der Fischbestände mit Fangmengenbeschränkung (Fangquote) überfischt: Es wird immer noch jährlich mehr entnommen, als nachwachsen kann. Auch eine gesunde Größe haben viele der Bestände in dieser Zeit nicht erreicht: 2017 waren immer noch 37 Prozent der Fischbestände zu klein, um als Bestand innerhalb sogenannter „sicherer biologischer Grenzen“ zu sein.

 

In der Ostsee ist die Situation derzeit besonders dramatisch: Hier werden sieben von insgesamt acht kommerziell genutzten und mit Fangquoten versehenen Fischbeständen wie Dorsch und Hering überfischt, fast die Hälfte der Bestände ist zu klein, um innerhalb sicherer biologischer Grenzen zu sein. 

Überfischung im Nordost-Atlantik © STECF 2019
Überfischung im Nordost-Atlantik © STECF 2019Lupe
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