Content Section

Stand: 17.09.2018

Die Gemeinsame Fischereipolitik der EU

Eines der Ziele der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) der EU lautet, die Befischung aller Bestände auf nachhaltigem Niveau unter Einhaltung des höchstmöglichen Dauerertrags (Maximum Sustainable Yield, MSY). Durch eine Befischung auf MSY-Niveau kann die Fischwirtschaft die größtmögliche Menge Fisch entnehmen, bei der eine gesunde Bestandsgröße beibehalten wird. 

Trawler im Newlyn Harbour, England © naturepl.com / Toby Roxburgh / WWF
Trawler im Newlyn Harbour, England © naturepl.com / Toby Roxburgh / WWF

Trotz dieses vorbildlichen Ziels kämpfen einige Fischarten in Europas Gewässern immer noch mit Überfischung. Im Mittelmeer sind sogar noch über 62% der Bestände von dem Problem betroffen. Erfreulicherweise erholen sich in den letzten Jahren in anderen europäischen Meeren die Fischbestände.

 

Allerdings liegen die Herausforderungen im Kampf gegen die Überfischung nicht nur vor unserer eigenen Haustür, denn die europäische Flotte hat erheblichen Einfluss auf die Ozeane weit weg von zu Hause. So fängt eine Handvoll Fischereinationen aus der EU heute auch Fisch in Gewässern von Entwicklungsländern wie zum Beispiel vor Westafrika. Auf diese Weise exportieren wir unser Problem der Überfischung in diese Regionen der Welt. 

Neben der Einhaltung des höchstmöglichen Dauerertrags hat die Gemeinschaftliche Fischereipolitik weitere Ziele wie die Beendigung der verschwenderischen Rückwurfpraxis, die Minimierung der Auswirkungen der Fischerei auf die Umwelt und eine wettbewerbsfähige Fischereiwirtschaft.

 

Ein starker politischer Wille ist gefragt, um diese Probleme zu lösen. Die Fischerei kann dauerhaft nur bestehen, wenn der Zustand der Umwelt zu ihrem Kernthema wird. Nur eine nachhaltige Fischerei kann unsere Meere gesund und die Ressource Fisch langfristig erhalten. Der WWF mit seinem gesamten europäischen Netzwerk hat sich der Umsetzung dieses Ziels verschrieben.  

Das Fischereigesetz von 2013

© Quentin Bates / WWF
© Quentin Bates / WWF

Ende 2013, nach mehr als drei Jahren zäher und intensiver Verhandlungen, verabschiedeten die Fischerei-Minister das neue Fischereigesetz. Es hätte eine kleine Revolution sein können: Erstmals wollte die EU-Politik die Gefahr der Überfischung wirklich ernsthaft anpacken und Lösungen für nachhaltigen Fischfang finden. Es wurde beispielsweise ein Rückwurfverbot beschlossen mit dem Ziel, alles an Land zu bringen, was gefangen wurde. So sollte der unerwünschte Beifang minimiert werden. Auch ein Nachhaltigkeitsziel wurde in dem Gesetz verankert: Ab spätestens 2020 darf in allen EU-Fischereien nur noch so viel gefischt werden wie nachwachsen kann. Und endlich sollen sich die EU-Fischer auch außerhalb der EU an die neuen Regeln halten – selbst wenn sie vor Afrika fischen.

Aber heute, mehrere Jahre nach Einführung der reformierten Politik, ist die Ernüchterung groß. Die EU-Mitgliedstaaten setzen die grundsätzlich guten, neuen Regelungen im Schneckentempo und unvollständig um. Das Versprechen der Politik, die Empfehlungen der Wissenschaftler zur Festlegung nachhaltiger Fangmengen zur Entscheidungsgrundlage zu machen, wurde nicht eingehalten. Regelmäßig legen die Fischereiminister der EU-Mitgliedstaaten auch weiterhin zu hohe Fangmengen fest. Das muss sich dringend ändern, damit sich alle Fischbestände langfristig erholen können. Denn auch die Fischerei ist nur dann langfristig profitabel, wenn die Fischbestände in gutem Zustand sind.

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken
  • Share