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Stand: 22.08.2018

Deutschland ist Weltmeister – in der Braunkohleförderung

Die Zweifel an der Energiewende wurde über Jahrzehnte genährt. Eine Energieversorgung ohne Kohle und Atom? Etwas für Träumer und Chaoten, so die Skeptiker. Mehr als vier Prozent unseres Stromverbrauchs - behauptete die deutsche Stromwirtschaft noch in den 1990er Jahren - könnten Sonne, Wind und Wasser auch langfristig nicht zur Bedarfsdeckung beitragen. Der gemeinsame Report vom WWF und LichtBlick legt in sechs Thesen dar, warum ein Kohleausstieg unerlässlich für die Energiewende ist.

Deutschland ist Weltmeister bei der Braunkohleförderung © Andrew Kerr / WWF
Deutschland ist Weltmeister bei der Braunkohleförderung © Andrew Kerr / WWF
Deutschland ist noch vor China der größte Förderer von Braunkohle © Wikipedia
Deutschland ist noch vor China der größte Förderer von Braunkohle © WikipediaLupe

Inzwischen weiß jedes Kind es besser. Der vollständige Ausstieg aus der Atomenergie steht bevor, der Einstieg in die Erneuerbaren Energien ist längst vollzogen. Nicht vier, sondern rund vierzig Prozent werden sie voraussichtlich in diesem oder im nächsten Jahr zur nationalen Stromversorgung beitragen. Bis 2030, also binnen gut zwölf Jahren, will die aktuelle Bundesregierung den Ökostrom-Anteil laut Koalitionsvertrag auf 65 Prozent treiben.

 

Für den überzeugenden Aufbruch in eine auch langfristige tragfähige  Energiezukunft  fehlt aber die entscheidende Zutat: der Erfolg im Klimaschutz. Denn obwohl der Anteil der klimaschonenden,   
erneuerbaren Quellen am Stromverbrauch steigt, geht der Treibhausgasausstoß Deutschlands  insgesamt seit einer Dekade nicht mehr und der des Energiesektors allenfalls noch in Trippelschritten zurück.
Denn nach wie vor wird massenhaft Kohle verstromt. Das führt zu einem Überangebot an Energie und treibt Deutschlands CO2-Bilanz in die Höhe. Ein Auszug der wichtigsten Thesen:

These 1: Ohne Kohleausstieg keine Energiewende

Deutschland kann nicht Energiewendeland sein und Kohleland bleiben. Deutsche Kohlekraftwerke tragen immer noch fast 40 Prozent zum deutschen Bruttostromverbrauch bei, und damit eine Strommenge vergleichbar der aus allen Erneuerbaren Energien zusammen. Der Anteil der Kohleverbrennung an den CO2-Emissionen des Stromsektors ist doppelt so hoch wie ihr Anteil an der Stromerzeugung, also beinahe 80 Prozent. Allein die Braunkohlekraftwerke stoßen in Deutschland drei Mal so viel CO2 aus wie der gesamte Verkehrssektor. Schon diese wenigen Fakten zeigen, dass in der Energiewirtschaft Klimaschutz ohne Einschnitte bei der Kohleverstromung illusorisch bleibt. Zur Einhaltung des Klimaziels 2020 müsste Deutschland 150 Millionen Tonnen CO2 einsparen, die Energiewirtschaft allein etwa zwei Drittel davon (100 Millionen Tonnen). Das wird mit jedem Monat des Nichtstuns unrealistischer. Dennoch kann Deutschland dem Ziel für 2020 deutlich näher kommen – mit der schnellen Abschaltung einer erheblichen Anzahl alter Kohlekraftwerke, die für die Versorgungssicherheit entbehrlich sind.

These 2: Ein Kohleland kann nicht international Vorreiter der Energiewende sein

Deutschland zehrt im Ausland weiter vom Image eines Klimaschutz-Vorreiters, obwohl die 
Zweifel auch jenseits der Grenzen wachsen. Das frühe Engagement Deutschlands für die damals
noch teuren und nicht ausgereiften, neuen Leittechnologien Photovoltaik und Windenergie 
hat maßgeblich dazu beigetragen, dass diese heute in immer mehr Regionen der Erde auch 
ökonomisch konkurrenzfähig werden. Fast überall, wo aktuell mit der Energiewende begonnen
wird, ist das Festhalten an den traditionellen Energien aus Kohle- und Atomkraft nun teurer als
der Weg in ein nachhaltiges Energiesystem.

These 3: Kohle ist nicht billig und gefährdet die Gesundheit

Nicht mehr konkurrenzfähig wäre Strom aus Kohle, sobald ihm die Folgekosten für Um-
welt und Gesellschaft angemessen angerechnet würden. Die Kohleverstromung gefährdet die Gesundheit durch die Luftschadstoffe, die die Kraftwerke ausstoßen. Mehr als 800.000 Menschen sterben jedes Jahr weltweit vorzeitig durch das Verbrennen von Kohle. In Europa sterben nach neueren Untersuchungen jedes Jahr fast 23.000 Menschen vorzeitig an den giftigen Abgasen von Kohlekraftwerken, fast so viele wie durch Unfälle im Straßenverkehr.


Außerdem rechnet das Umweltbundesamt in Deutschland inzwischen mit Umweltkosten von 120 Euro für jede in die Atmosphäre emittierte Tonne CO2. Dies entspricht jährlichen Belastungen infolge der Kohleverstromung von 46 Milliarden Euro, bezogen auf das Jahr 2016. Weitere Steigerungen werden erwartet.


Weitere spannende Thesen und Argumente für den baldigen Kohleausstieg finden Sie im Kohle-Report zum Download.

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