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Stand: 30.09.2019

Keine Beute - keine Tiger

Das ausreichende Vorkommen von Beute ist der wichtigste Faktor für das Überleben der Tiger. Sechs bis acht Kilogramm Fleisch benötigt ein ausgewachsener Tiger pro Tag. Deshalb ist eine ausreichende Beuteverfügbarkeit und ein intakter Lebensraum bedeutend für den Fortbestand der Tiger weltweit.

Nur ausreichend Beute schützt den Tiger © Souvik Kundu / WWF
Nur ausreichend Beute schützt den Tiger © Souvik Kundu / WWF

Das ausreichende Vorkommen von Beute ist der wichtigste Faktor für das Überleben der Tiger. Sechs bis acht Kilogramm Fleisch benötigt ein ausgewachsener Tiger pro Tag. Bei einem größeren Fang können Tiger aber auch schon mal 20 Kilogramm Fleisch auf einmal verschlingen. Rehe, Hirsche, Antilopen und Wildschweine stehen auf dem Speiseplan.

Zwei Hirsche und acht Wildschweine pro Quadratkilometer

In der Amur-Region im Grenzgebiet zwischen China und dem Fernen Osten Russlands ist die sogenannte Beutedichte besonders gering. Pro Quadratkilometer stehen im Durchschnitt ungefähr zwei Hirsche und acht Wildschweine zur Verfügung. Auch in den Tigergebieten Thailands liegt die Beuteverfügbarkeit bei weniger als 1,5 Sambarhirschen pro Quadratkilometer. Was sich im ersten Moment viel anhört, ist im Vergleich zu anderen Regionen jedoch extrem wenig. Der Bengal-Tiger in Indien zum Beispiel kann in manchen Regionen auf 80 bis 100 Beutetiere pro Quadratkilometer Jagd machen.

 

Im Amur-Gebiet sind artenreiche Mischwälder mit fruchttragenden Bäumen wie der Mongolischen Eiche und der Koreakiefer die wichtigste Voraussetzung für eine gute Beuteauswahl. Die Koreakiefer wird bis zu 40 Meter hoch und liefert fettreiche Samen, die besonders im Winter von Wildschweinen, asiatischen Schwarzbären und Braunbären verspeist werden. Beide Baumarten waren jedoch jahrzehntelang begehrtes Bau- und Konstruktionsholz, so dass der Wald gnadenlos übernutzt wurde. Die offiziell genehmigten Einschlagmengen wurden zum Teil um das Dreifache überschritten. Dem Wild fehlten die Samen, dem Tiger fehlte das Wild.

Was tut der WWF?

Mongolische Eiche und Koreakiefer: Nahrung für die Beutetiere

Seit 2010 gibt es in Russland einen Einschlagstopp für die Korea Kiefer. Die Mongolische Eiche und die Mandschurische Esche wurden 2014 in den Anhang III des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES gelistet und so ihre Ausfuhr stärker kontrolliert. An beiden Entscheidungen war der WWF maßgeblich beteiligt. Auch in Nordost-China wurde 2014 und 2015 in den Provinzen, in denen Tiger vorkommen, nach und nach ein Einschlagstopp durchgesetzt. Mehr fruchttragende Bäume bedeutet mehr Nahrung für das Wild. Und mehr Wild bedeutet mehr Beutetiere für den Tiger.

 

SMART gegen Schlingenwilderei

Während sich der Wald langsam erholen kann, droht noch von anderer Seite Gefahr: Die Beutetiere des Tigers werden auch durch Schlingenwilderei der lokalen, teils armen Bevölkerung reduziert, die für den Eigenbedarf oder auch zum Verkauf Wildtiere fängt und so ihr Einkommen aufbessert. Vielerorts gibt es deshalb zu wenig Nahrung für Tiger und Leoparden. Durch regelmäßige, sogenannte SMART-Patrouillen (SMART für Spatial Monitoring and Reporting Tool), in denen Wildhüter festgelegte Areale mit GPS-Geräten ablaufen und das Angebot von Beutetieren in diesem Gebiet genau dokumentieren, konnte die Schlingenwilderei in den letzten Jahren spürbar eingedämmt werden. Wurden 2015 durchschnittlich noch 2,3 Fallen pro Quadratkilometer gefunden, waren es 2019 nur noch 0,5 Fallen. Rehe, Hirsche, Wildschweine und anderes Schalenwild erholten sich merklich.

 

Modell-Jagdkonzessionen helfen, Beutetiere und Tiger zu schützen

Gemeinsam mit der Primorsky-Wildtierbehörde und russischen Jagdvereinen arbeitet der WWF in der Amur-Region in fünf Gebieten daran, die Zahl der Beutetiere zu erhöhen. Aufgabe der Jagdvereine ist die Überwachung der Jagdkonzessionen, die die Jagd regulieren. In gemeinsam mit dem WWF durchgeführten Seminaren werden Jäger fortgebildet, denn auch sie haben ein Interesse daran, dass ausreichend Wild durch die Wälder und Wiesen streift. Die Jäger unterstützen den WWF dagegen mit Fahrzeugen und Ausrüstung bei Winterfütterungen, durch die die Sterblichkeitsrate von Rehen, Hirschen und Wildschweinen in harten Wintern mit viel Schnee reduziert werden kann. Außerdem stellen sie gemeinsam mit dem WWF Kamerafallen auf, führen Impfungen von Wildschweinen gegen Schweinepest durch und helfen bei der Prävention von Waldbränden. Im Winter 2018/ 2019 konnten so allein im Jagdbezirk Nezhinskoe im Nationalpark "Land der Leoparden" mehr als 50 Brände gelöscht werden.

 

Freilassung von Beutetieren

In China unterstützt der WWF zwei Aufzuchtzentren für Rothirsche. Die Hirsche werden später in den Wald entlassen, um die Wildpopulation zu erhöhen. 

 

In den thailändischen Nationalparken Mae Wong und Khlong Lan erholen sich die Beutetierbestände allerdings auch trotz intensiver Schutzbemühungen nicht signifikant. Grund ist vor allem die fehlende Graslandschaft, als zentrale Nahrungsgrundlage für das „Sambar“-Wild. Nun werden entsprechende Flächen vom dichten Bodenbewuchs befreit, damit sie von Gras bewachsen werden können. Salzleckstellen werden geschaffen, damit die Huftiere ausreichend mit Nähr- und Mineralstoffen versorgt werden. Und anschließen werden Sambar frei gelassen, um der Beutetierpopulation „beim Wachsen zu helfen“. Der WWF und das Department of Nationalparks (DNP) werden die Beutetiere natürlich streng überwachen und ihre Entwicklung dokumentieren. Denn am Ende wird dieses Vorhaben auch zeigen, ob dem Zuwachs an Beutetieren auch die Tigerpopulation mit einem entsprechend positiven Trend folgt. 

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