Im Pfälzerwald finden Luchse hervorragende Lebensbedingungen. Es gibt nur wenige Straßen, die den Wald zerschneiden – und die vor allem jungen Luchsen zum Verhängnis werden könnten. Außerdem gibt es ausreichend Rehe und Rothirsche, die auf dem Speiseplan der Luchse nicht fehlen sollten. All das sind gute Voraussetzungen, dass sich eine Luchspopulation hier dauerhaft etablieren kann.

Deshalb sollen in den nächsten fünf Jahren 20 Luchse in den slowakischen Karpaten und der Schweiz eingefangen und im Pfälzerwald wieder freigelassen werden. Die Hoffnung ist, dass diese Luchse Teil einer zusammenhängenden und vernetzten mitteleuropäischen Luchspopulation bis in die Vogesen und in die Alpen werden.

Ein Bündnis für den Luchs

Im Pfälzerwald arbeiten viele Verbände, Institutionen und weitere Unterstützer unter Federführung der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz intensiv zusammen, um dem Luchs eine neue Heimat zu ermöglichen. So entwickelte sich mit Nutztierhaltern, Jägern und Grundbesitzern ein intensiver Dialog, der künftig noch weiter vertieft wird. Denn mit der Auswilderung der Tiere ist es noch lange nicht getan. Von Anbeginn muss die ansässige Bevölkerung mit eingebunden werden. Besonders dort, wo Konflikte auftreten können – etwa bei Landwirten mit Nutztieren –, ist es wichtig, die Akzeptanz zu fördern und Vertrauen zu schaffen. Über die Stiftung wurde ein Fonds eingerichtet, der Nutztierhalter entschädigt, wenn sich doch einmal ein Luchs an einem Schaf oder einer Ziege vergreift, was selten vorkommt.

Wichtig ist die Botschaft: Luchse gefährden keinen Menschen, sondern fördern einen gesunden Wildtierbestand und sind eine Bereicherung unserer Natur!

Wieso ein Wiederansiedlungsprojekt für Luchse im Pfälzerwald?

Luchse sind auf ausgedehnte, struktur- und unterholzreiche Wälder angewiesen. Als größtes zusammenhängendes Waldgebiet Deutschlands stellt der Pfälzerwald somit einen idealen Lebensraum für den Luchs dar. Allerdings gibt es in den angrenzenden Regionen keine natürlichen Luchsvorkommen aus denen Luchse eigenständig in den Pfälzerwald einwandern könnten. Im Gegensatz zu Wölfen, die auch weit entfernte Lebensräume erschließen, wird das Ausbreitungsverhalten von Luchsen als konservativ bezeichnet. Luchse gründen in der Regel nur dort ein eigenes Revier, wo auch andere Artgenossen vorkommen. Weil mit einer natürlichen Zuwanderung in den Pfälzerwald derzeit und zukünftig nicht zu rechnen ist, möchte man im Rahmen des Projektes Luchse aus stabilen Populationen einfangen und nach Deutschland bringen.

Der Pfälzerwald ist mit einer Ausdehnung von über 1700 Quadratkilometern das größte, zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands und eines der größten Waldgebiete in Europa. Gemeinsam mit dem Waldgebiet der Nordvogesen bildet er einen nahezu geschlossenen Waldlebensraum von etwa 3.000 Quadratkilometern.

Lebensraum für den Luchs

Maßnahmen im Luchs-Projekt

Für die Umsetzung der Wiederansiedlungsmaßnahmen ist ein Zeitraum von sechs Jahren vorgesehen. Die Luchse werden vor ihrer Freilassung mit einem GPS-Halsband versehen, so dass ihr Weg verfolgt und ihr Aktionsraum erfasst werden kann. Zuvor werden sie veterinärmedizinisch untersucht und verbringen eine gewisse Zeit in Quarantäne. Im Sommer 2016 wurden die ersten Luchse aus der Slowakei im Pfälzerwald freigelassen.

Neben dem intensiven GPS gestütztem Monitoring wird ein sogenanntes Fotofallen-Monitoring aufgebaut, welches es ermöglicht die Tiere auch fotografisch zu beobachten. An Hand der Bilder kann man nicht nur die einzelnen Luchse erkennen, sondern auch den Gesundheitszustand der Tiere und möglichen Nachwuchs beobachten.

Um sicher zu stellen, dass eine möglichst breite Einbindung der Bevölkerung, aller regional tätigen Akteure und aller Betroffenen erfolgt, wurde ein grenzüberschreitendes Luchs-Parlament gebildet und von Anfang an dafür gesorgt, dass zahlreiche Interessensverbände das Projekt unterstützen. Öffentliche Vorträge, Feste, Veranstaltungen für Kinder, Nutztierhalter und Jäger sorgen dafür, dass die Menschen im Pfälzerwald gut über den Luchs informiert sind.

In einem zusätzlichen Projekt der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz (FAWF) wird der Einfluss des Luchses auf seine Beutetiere untersucht. Dafür werden die Bestände von Rehen sowohl vor dem ersten Auftreten von Luchsen als auch im weiteren Verlauf des Wiederansiedelungsprojektes erfasst. Dadurch möchte man erfahren, ob sich die Bestände der Rehe verändern oder die Tiere aufgrund der Anwesenheit des Luchses ein anderes Verhalten an den Tag legen. Das Projekt wird mit Mitteln der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und des Umweltministeriums Rheinland-Pfalz gefördert.

Laut einer aktuellen Befragung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg stehen die Menschen im Pfälzerwald dem Luchs überwiegend positiv gegenüber. So gaben 70 Prozent der Befragten an, dem Luchs gegenüber ein positives Gefühl zu haben und schätzten seine Gefährlichkeit als gering ein (85 Prozent). Mehr als die Hälfte der Befragten nannten bei der Frage nach Vor- und Nachteilen einer Wiederansiedlung nur Vorteile.

Umfrage zum Luchs

So helfen Sie den Luchsen

Luchsmanagementplan

Bereits im Vorfeld der eigentlichen Wiederansiedlung des Luchses im Pfälzerwald wurde vom Umweltministerium Rheinland-Pfalz ein sogenannter Managementplan für den Umgang mit dem Luchs verabschiedet. Dieser Plan ist der Grundstein für ein möglichst konfliktfreies Miteinander zwischen Mensch und Luchs und regelt zum Beispiel die Frage der Vorbeugung von Nutztierrissen durch den Luchs oder den Umgang mit kranken und verletzten Luchsen.

Der WWF unterstützt die Wiederansiedlung der „Pinselohren“ als aktiver Projektpartner unter anderem mit der Erstellung von Umweltbildungsmaterialien für Schulklassen.

Das Projekt LIFE Luchs Pfälzerwald wird durch Mittel des europäischen Förderprogramms LIFE Natur unterstützt.

Unterstützt durch die Deutsche Postcode Lotterie

Deutsche Postcode Lotterie
Deutsche Postcode Lotterie

Die Postcode Lotterie unterstützt die Errichtung und den Ausbau einer Luchsstation in Maßweiler.

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