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ARTENSCHUTZund biologische Vielfalt

Im Artenschutzbericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) der UN aus dem Jahr 2019 zeichnet sich Dramatisches ab: Rund eine Million Arten könnten innerhalb der nächsten Jahrzehnte verschwinden, wenn sich der Zustand unserer Ökosysteme weiterhin verschlechtert. Auch die Weltnaturschutzunion IUCN konstatiert den Arten mit ihrer Internationalen Roten Liste Schlimmes: Ein Viertel der Säugetierarten, jede achte Vogelart, mehr als 30 Prozent der Haie und Rochen sowie 40 Prozent der Amphibienarten sind bedroht. 

Tiger und viele andere Arten sind stark vom Verlust ihres Lebensraumes und Wilderei bedroht. © Suyash Keshari / WWF
Tiger und viele andere Arten sind stark vom Verlust ihres Lebensraumes und Wilderei bedroht. © Suyash Keshari / WWF

Wir befinden uns heute im größten Artensterben seit dem Ende der Dinosaurierzeit vor 65 Millionen Jahren. Dass Arten aussterben ist ein natürlicher Prozess, der jedoch heute unter dem Einfluss des Menschen beträchtlich beschleunigt ist. Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen. Nahrung, Medizin, Rohstoffe, sauberes Wasser und Luft sind nur einige der wichtigen Dinge, die die Natur uns zur Verfügung stellt. Es ist längst Zeit, zu handeln. Und es könnte bald zu spät sein. Die Mission des WWF ist wichtiger denn je: "Bewahrung der biologischen Vielfalt – ein lebendiger Planet für uns und unsere Kinder".

 

In diesem Sinne dient der Erhalt der biologischen Vielfalt immer auch dem Erhalt der menschlichen Lebensgrundlagen – sowohl global als auch lokal. Naturschutz funktioniert vor allem dort, wo er gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung erfolgt und dieser auch zugutekommt. Von Schutzgebieten und einer nachhaltigen Entwicklung profitieren die Menschen vor Ort langfristig. Denn ihr Überleben und Wohl hängt direkt vom Erhalt ihrer Heimat und der natürlichen Ressourcen ab.

2020 – Schicksalsjahr für die Artenvielfalt?

Das Jahr 2020 bietet den Staats- und Regierungschefs eine einmalige Gelegenheit, um sich dem Schutz der biologischen Vielfalt zu verschreiben und einen dringend notwendigen Richtungswechsel in Wirtschaft und Gesellschaft einzuleiten. Der Raubbau an der Erde muss ein Ende haben. Der WWF fordert für 2020, dass die Staatenlenker den Erhalt der Biodiversität genauso wie den Klimaschutz zur Chefsache machen.

 

Mit der neuen 10-Jahresstrategie der UN-Biodiversitätskonvention (CBD), die auf der 15. Vertragsstaatenkonferenz (COP15) im Oktober 2020 in China verhandelt wird, steht eine große Weichenstellung an, die bis 2030 alle Länder in Richtung eines Lebens „in Harmonie mit der Natur“ bringen soll. Im Vorfeld der COP15 wird zudem ein großer UN-Biodiversitäts-Gipfel erwartet. Der WWF fordert dafür, dass sich die Staats- und Regierungschefs bereits dort zu konkreten Maßnahmen verpflichten, mehr für den Schutz der Artenvielfalt zu tun, indem sie unter anderem bessere und wirkungsvollere Gesetze schaffen, die nachhaltige Produktion von Lebensmitteln fördern, naturschädliche Subventionen abbauen und die Finanzierung von Schutzgebieten steigern.

 

Doch auch schon das erste Halbjahr 2020 sollte im Zeichen der Erhaltung der biologischen Vielfalt und von nachhaltiger Entwicklung stehen – mit dem 50. Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums im Januar 2020 in Davos und dem Weltkongress der Weltnaturschutzunion (IUCN) Mitte Juni in Marseille. Wir werden hier auf unseren Webseiten weiter dazu berichten.

So können Sie den WWF bei seiner Arbeit unterstützen

Arten in der Krise

Die Bedrohungen für die Tier- und Pflanzenarten weltweit sind vielfältig und meist menschengemacht. Lebensraumverlust durch sich immer weiter ausdehnende Landwirtschaft, Bergbau oder Städte, Übernutzung der natürlichen Ressourcen wie Überfischung und Wilderei, aber auch die Erderhitzung, Umweltverschmutzung sowie eingeschleppte, invasive Arten gefährden die ursprüngliche Artenvielfalt und verstärken sich dabei noch gegenseitig.

Lebensraumverlust – Kein Platz für Tiere

Für unseren Ressourcenhunger müssen natürliche Lebensräume weichen und mit ihnen auch die Tiere und Pflanzen. Riesige Flächen werden zu landwirtschaftlichen Nutzflächen umgewandelt, Wälder abgeholzt, ganze Landstriche für den Bergbau umgebrochen, Städte dehnen sich immer weiter aus. Infrastruktur, wie Straßen, Bahnschienen oder auch Staudämme, zerschneiden Lebensräume und erschweren oder verhindern die Ausbreitung von Tieren und Pflanzen. 75 Prozent der Lebensräume an Land, 40 Prozent der Meereslebensräume und die Hälfte der Süßwasserströme sind heute schwerwiegend verändert. Der WWF setzt sich für die Erhaltung der Lebensräume ein, von Wäldern und Savannen über Bergregionen und Süßwasser-Ökosysteme bis hin zu Ozeanen.

Auch unsere heimische Natur hat über die Jahrhunderte hinweg schwere Verluste erlitten. Die Rote Liste zeigt für Deutschland den dramatischen Rückgang der biologischen Vielfalt an. Schuld daran sind vor allem der Verlust an Lebensraum, aber auch die Schädigung und die Zerstückelung vorhandener Lebensräume, besonders durch die Umwandlung für die Landwirtschaft. Die konventionelle Landwirtschaft verringert die Biodiversität, Lebensräume werden zerstört, Böden ausgelaugt – ohne Dünger, Pestizide und Herbizide geht es vermeintlich nicht. Ein natürlich funktionierendes Ökosystem gibt es hier nicht mehr. Der WWF setzt sich für nachhaltige Landwirtschaft ein, die die Artenvielfalt in Deutschland erhält.

Mensch-Wildtier-Konflikte

Wenn Tiere immer mehr aus ihren natürlichen Lebensräumen verdrängt werden und Menschen immer mehr in ihre Gebiete vordringen, nehmen auch Begegnungen und damit Konflikte mit Wildtieren zu. Ob Elefanten in Afrika, die Felder plündern, potentiell gefährliche Zusammenstöße mit Tigern in Asien oder Wolf und Luchs, die sich in Deutschland wieder ausbreiten – die Anwesenheit von Wildtieren kann auch Konflikte mit sich bringen.

 

Geschützte Arten wie Wolf und Luchs sollen als natürlicher Teil des Ökosystems ihre alten Lebensräume in Deutschland und Europa wieder besiedeln können. Vielfach müssen die Menschen erst wieder lernen, ihren Lebensraum und die von ihnen geschaffenen Kulturlandschaften mit den großen Jägern zu teilen. Der WWF möchte durch Aufklärungsarbeit die Akzeptanz für die großen Wildtiere erhöhen und durch kooperative Zusammenarbeit mit Landwirten, Schäfern, Fischern und Jägern die Konflikte zwischen Mensch und Tieren verringern, während gleichzeitig Wilderei stärker bekämpft werden soll.

Übernutzung und Wilderei

Wir bedienen uns beständig an den natürlichen Ressourcen. Doch wenn der Natur dauerhaft zu viele Tiere und Pflanzen entnommen werden, können sich die Bestände nicht mehr regenerieren und Ökosysteme drohen zusammenzubrechen. Die Überfischung der Weltmeere, die Ausbeutung der Wälder oder die Wilderei auf begehrte Arten wie Elefant, Nashorn oder Tiger bedrohen die biologische Vielfalt und können auch negative Folgen für uns Menschen nach sich ziehen. Heute sind 46 Prozent der Arten von Übernutzung bedroht.

 

Insbesondere Wilderei und illegaler Handel als Teil des organisierten Verbrechens sind ein Problem und bedrohen die Bestände vieler Tier- und Pflanzenarten. Der WWF setzt sich entlang der gesamten Handelskette gegen die Wildartenkriminalität ein – gegen die Wilderei vor Ort in den Lebensräumen, gegen den illegalen Handel mit Wildartenprodukten und auch in Projekten, um die Nachfrage nach Produkten wie Elfenbein oder Nashorn-Horn einzudämmen.

Artensterben und Klimakrise

Erderhitzung und Artensterben – die großen Bedrohungen unserer Zeit. Und zwei Faktoren, die eng miteinander verzahnt sind, denn fünf Prozent der Arten könnten alleine durch eine globale Erwärmung von zwei Grad aussterben, so der IPBES-Bericht. Bei einem Temperaturanstieg von 4,3 Grad Celsius wären es bereits 16 Prozent der Arten. Auch eine Studie des WWF kommt zu dem Schluss, dass fast die Hälfte der Tier- und Pflanzenarten aus den weltweit bedeutendsten Naturregionen verschwinden wird, wenn wir mit dem Treibhausgasausstoß so weitermachen wie bisher. Ein weltweites Problem, das uns alle betrifft. Der Klimawandel löst eine Kettenreaktion aus – mit unkalkulierbaren Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt, aber auch für den Menschen. Der WWF fordert: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen sofort handeln und so schnell und effizient wie möglich gegen die drohende Klimakatastrophe vorgehen, bevor alles zu spät ist!

Umweltverschmutzung – Mehr als das Plastik-Problem

Umweltverschmutzung hat viele Facetten: Ölkatastrophen, Pestizide und Nitrateintrag aus der Landwirtschaft, Quecksilber und andere Schadstoffe z. B. aus dem Bergbau verschmutzen Lebensräume und gefährden am Ende auch die Menschen, die dort leben. Ein beträchtlicher Faktor der Umweltverschmutzung ist Plastik. Allein in unseren Ozeanen schwimmen in jedem Quadratkilometer hunderttausende Teile Plastikmüll. Seevögel verenden qualvoll, weil sie die kleinen Teile für Futter halten, auch Fische, Schildkröten und Wale verwechseln Plastiktüten und -teile mit ihrer Nahrung. Dazu kommen herrenlose Geisternetze, die immer weiter fischen. Wenn Plastik zu Mikroplastik wird, gelangt es über Trinkwasser, unsere Nahrung und sogar durch die Luft auch in unseren Körper. Zum Natur- und Artenschutz gehört deshalb auch das Vermeiden von Umweltverschmutzung und Plastikmüll. 

Invasive Arten

Immer mehr Tiere und Pflanzen werden durch den Menschen – absichtlich oder unabsichtlich, bewusst oder unbewusst – in Gebiete eingeführt, in denen sie bisher nicht heimisch waren. Wenn sich solche eingeschleppten Arten im neuen Lebensraum etablieren, können sie negative Auswirkungen für die dort angestammten Arten mit sich bringen und diese verdrängen. Ein Problem, das durch Globalisierung, Reisen und Transporte noch zunehmen wird.

Unser Konsum hat Auswirkungen auf die Umwelt weltweit

Artenschutz beginnt beim Einzelnen. Unser Konsum ist es, mit dem wir dazu beitragen, dass der Plastikberg wächst, sich die Erde erwärmt und Lebensräume verschwinden. Der Living Planet Report des WWF zeigt es regelmäßig: Wir verbrauchen viel zu viele Ressourcen. Dabei können wir in unserem Alltag viele Dinge tun, um Ressourcen zu schonen und das Leben nachhaltiger zu gestalten. Vom täglichen Einkauf, über die Gestaltung des Gartens bis hin zur Planung des Urlaubs und darüber hinaus. 

Schlechte Noten für den Artenschutz

Der Mensch hat in den vergangenen Jahren einen nie dagewesenen Abwärtstrend der biologischen Vielfalt eingeleitet und nichts deutet derzeit darauf hin, dass sich diese Entwicklung umkehrt oder verlangsamt. Entsprechend fatal fällt das Fazit des Weltbiodiversitätsrats aus, was die Bemühungen um Arten- und Umweltschutz angeht. Fortschritte beim Erreichen der 2010 bei einer Konferenz im japanischen Nagoya gemeinsam von den Staaten beschlossenen Ziele gibt es viel zu wenige. Nur wenn sofort und gleichzeitig auf allen Ebenen gehandelt werde, könne der Verlust der biologischen Vielfalt verlangsamt, eingedämmt oder sogar rückgängig gemacht werden, so der Bericht.

Unerlässlich dafür ist die internationale Zusammenarbeit. Denn Naturschutz und Umweltschutz kennen keine Grenzen. Nicht nur der IPBES-Bericht, sämtliche Umweltschutzorganisationen, einschließlich des WWF und ein Großteil der Bevölkerung fordern, politisches Handeln an Naturschutzzielen auszurichten. Der Wert der biologischen Vielfalt muss im öffentlichen Bewusstsein verankert werden, Unternehmen von rücksichtslosem Wirtschaften Abstand nehmen. Eberhard Brandes, geschäftsführender Vorstand der Umweltorganisation WWF Deutschland, fordert, das "Paradigma vom ewigen und alternativlosen weltweiten Wirtschaftswachstum ohne Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit der Natur" zu beenden. "Wir müssen schleunigst beginnen, in den natürlichen Grenzen der Erde zu wirtschaften."

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