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Es kriselt am Nil

26. Juni 2020

WWF: Megastaudämme schaffen oft mehr Probleme als sie lösen

Staudammprojekte schaffen oft mehr Probleme als sie lösen © Frank Parhizgar
Staudammprojekte schaffen oft mehr Probleme als sie lösen © Frank Parhizgar

Der geopolitische Konflikt um den Grand Ethiopian Renaisance Staudamm (GERD) in Äthiopien spitzt sich zu. Im Juli will Oberanrainer Äthiopien beginnen, den Stausee mit Nilwasser zu füllen. Eine Einigung darüber, wie schnell Äthiopien den Stausee befüllt, gibt es noch nicht. Besonders das flussabwärts gelegene Ägypten sieht in den größten Staudamm Afrikas eine existenzielle Bedrohung. Die Verteilung von Süßwasser ist einer der Hauptkonflikte in der Region. Theresa Schiller, Expertin für internationale Süßwasserthemen beim WWF Deutschland kommentiert:

 

„Große Staudammprojekte schaffen oft mehr Probleme als sie lösen. Mit jedem Tropfen, der in den GERD-Stausee fließt, erhöhen sich die politischen Spannungen am Nil. Der Staudamm am Oberlauf des Nils ist allerdings nicht nur geopolitisch hoch riskant, er bringt auch große Umweltveränderungen mit sich.  Beispielsweise halten Staumauern große Mengen an wertvollem Sediment zurück. Als Konsequenz des GERD könnten in der Kornkammer Ägyptens deshalb zukünftig die Bodenfruchtbarkeit von Ackerboden flussabwärts verloren gehen. 

 

Derzeit sind weltweit mindestens 3.700 Staudämme geplant oder bereits in Bau. Doch statt auf Wasserkraft zu fokussieren, sollten Staaten nachhaltigere Alternativen ins Visir nehmen – insbesondere in Zeiten der Klimakrise, da die Wasserverfügbarkeit vielerorts abnehmen wird. Mittlerweile sind die Kosten pro Kilowattstunde Strom aus Solarenergie und Windkraft oftmals geringer als solche von Wasserkraftanlagen. Gerade vor dem Hintergrund der Klima- und Biodiversitätskrise fordert der WWF den Erhalt und die Wiederherstellung freifließende Flüsse: Sie mildern Wetterextreme wie Dürren ab, bieten Nahrungssicherheit und sind wichtige Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten. Süßwasserökosysteme sind weltweit in Gefahr: Studien belegen, dass der Artenreichtum von Süßwasserlebewesen seit 1970 um 83 Prozent zurückgegangen ist – so viel wie in keinem anderen Lebensraum.“ 

KONTAKT

Rebecca Gerigk

Pressestelle WWF

Tel.: 030-311 777 428

Rebecca.gerigk@wwf.de