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Verschleppte Finanzkrise

13. September 2018

10 Jahre nach der Lehman Brothers Pleite: WWF fordert umfassende Integration von Klimarisiken ins Finanzsystem

Das Finanzsystem muss dringend Klimarisiken berücksichtigen © Romol Tavani/istockphoto Getty Images
Das Finanzsystem muss dringend Klimarisiken berücksichtigen © Romol Tavani/istockphoto Getty Images

Zehn Jahre nach der Lehman Brothers Pleite ignoriert die Finanzwelt weiterhin essentielle Risiken unserer Wirtschaftsweise. Zwar wird der Finanzmarkt seit der folgenreichen Finanzkrise, die mit der Lehman Brothers Pleite am 15. September 2008 von der Blase zur Realität wurde, stärker reguliert. Die Regulierung umfasst aber längst nicht alle relevanten Bereiche: Beim Thema Nachhaltigkeit ist das System gerade in Deutschland nahezu blind.

 

„Umweltbezogene Risiken – wie mit der Klimakrise verbundene Risiken – erkennt das Finanzsystem noch immer lückenhaft. Es sind aber keine Öko-Nischen betroffen: Die Antwort auf die Klimakrise betrifft das gesamte Wirtschaftsleben. Wenn sich diese umfassende Transformation nicht im Finanzsystem widerspiegelt, kann sich das verheerend auf Kapitalanlagen und Vermögenswerte auswirken“, sagt Matthias Kopp, Leiter Sustainable Finance beim WWF Deutschland.

 

Denn das Finanzsystem existiert nicht unabhängig von der Realwirtschaft und der Gesellschaft, sondern ist eng mit dortigen Entwicklungen verzahnt. Der Übergang zu einer fossilfreien Welt zum Beispiel muss sich sowohl in der Realität als auch auf dem Finanzmarkt vollziehen. Dabei bilden die Risiken aus Kohle und fossilen Brennstoffen und die daraus bei Missachtung entstehende sogenannte Carbon Bubble nur einen Ausschnitt.

 

Die Änderungen auf dem Finanzmarkt sind aber nicht nur nötig, um Risiken zu vermeiden: Es ergeben sich auch große Chancen: „Die Transformation der Realwirtschaft wird nur über Kapitalzugang gelingen. Das Finanzsystem kann so zu einem zentralen Lösungshebel werden“, sagt Kopp. „Der Staat muss deshalb endlich die Lehren aus der Lehman-Pleite ziehen und die Finanzmarktregulierung systematisch um Nachhaltigkeitsaspekte ergänzen.“

 

Dazu gehört auch, für Analysen Szenarien für zukünftige Entwicklungen hinzuzuziehen. Bisher setzt die Risikoabschätzung einen viel zu starken Fokus auf vergangene Entwicklungen und historische Daten. Nur: „Mit dem Blick in den Rückspiegel muss vorausschauendes Fahren scheitern.“

KONTAKT

Lea Vranicar

Pressestelle

Tel.: 030 / 311 777 467

lea.vranicar(at)wwf.de

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