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Stand: 20.06.2017

Das Ziel: Biomasse umwelt- und sozialverträglich nutzen

Gelblichgrau hängt eine Dunstglocke über der Provinzstadt Palangkaraya. Sie verschleiert die Sonne, erschwert in der feuchtheißen Tropenluft das Atmen, riecht penetrant nach Rauch. Manchmal sind die Schwaden so dicht, dass einen ganzen Tag lang in diesem Teil Borneos kein Flugzeug landen kann. Denn Kalimantans Torfmoore brennen - einstmals bewaldete Flächen, die in dieser Provinz auf der indonesischen Insel trockengelegt, gerodet oder illegal abgefackelt worden sind, um sie anschließend in gigantische Palmölplantagen zu verwandeln.

Abgeholzter Torfmoorwald © WWF-Indonesia / Bhayu Pamungkas
Abgeholzter Torfmoorwald © WWF-Indonesia / Bhayu Pamungkas

Ein Viertel aller Torfmoorwälder Kalimantans hat die indonesische Regierung mittlerweile für Plantagen-Konzessionen verkauft. Ein Trend, der sich weltweit fortsetzt, nicht nur auf Borneo. Denn die Nachfrage nach Biomasse wie Palmöl steigt weltweit, immer öfter auch für Biosprit.

 

Biomasse soll Energie liefern: für Strom und Wärme. In Zeiten wachsender Mobilität stillt sie sogar den Durst nach neuem Kraftstoff aus nachwachsenden Rohstoffen. Dazu zählen vor allem Pflanzen, aus denen sich in irgendeiner Weise Energie gewinnen lässt. So will es die Energiewende. Denn der Atomausstieg ist in Deutschland beschlossene Sache, fossile Rohstoffe wie Diesel oder Benzin verursachen hohe Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid, sind teuer und in absehbarer Zeit ohnehin verbraucht.

Palmöl © James Morgan / WWF
Palmöl © James Morgan / WWF

Dass für Biosprit aus Palmöl indonesische Torfmoore brennen, damit stattdessen Energiepflanzen in monströsen Monokulturen gedeihen, ist für den WWF Deutschland keine Option. Weder Mais, noch Raps und Rübe, Sojabohne, Sonnenblume oder Ölpalme wachsen unbegrenzt. Für ihren Anbau darf kein Grünland umgepflügt, kein Regenwald gerodet oder Torfmoor abgefackelt werden. Biomasse ist als Energieträger der Zukunft nur dann sinnvoll, wenn sie weltweit ökologisch und sozial verträglich angebaut wird. Nur dann besitzt sie bessere Ökobilanzen als fossile Rohstoffe. Denn wenn Wälder wie auf Borneo in Flammen aufgehen, entweichen riesige Mengen des Klimagases CO2.

Mit der EU-Richtlinie für Erneuerbare Energien (EU-RED) sowie der deutschen Biomasse-Nachhaltigkeitsverordnung wurde seit 2009 versucht, in Europa gesetzliche Vorgaben zu setzen, das Pflanzen nur dann als Energieträger verwendet werden dürfen, wenn sie gegenüber fossilen Ressourcen deutlich weniger Treibhausgase freisetzen und bei ihrem Anbau keine wertvollen Landstriche verschwinden. Die EU-RED ist zwar ein wichtiger Meilenstein für die Umsetzung von gesetzlichen Nachhaltigkeitsforderungen aber die Realität hat die Lücken aufgezeigt und zu immer kritischeren Nachfragen geführt, ob die Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen zum Anbau von Energiepflanzen oder das Verbrennen von ganzen Stämmen wirklich einen Klimanutzen bringt.

Wir haben nun die Chance durch die Überarbeitung der EU-RED wichtige Punkte wie z.B. soziale Nachhaltigkeitsforderungen, transparente und umfassende Treibhausgaskalkulationen, Minimalanforderungen für die Effizienz des Verbrennungsprozesses und sinnvolle Regelungen für die Nutzung von Reststoffen einzubauen. Und damit die EU-RED erneut als gesetzlichen Vorreiter für eine nachhaltigere Produktion von Biomasse zu etablieren.

Für ihren Anbau darf kein Grünland umgepflügt, kein Regenwald gerodet oder Torfmoor abgefackelt werden.

Biomasse als Energieträger in seinen verschiedenen Verwendungen ist und bleibt ein wichtiger Pfeiler für das Konzept der Erneuerbaren Energien. Aber wirklich nachhaltige und klimaschonende Biomasse ist ein sehr limitiertes Gut. Deshalb sollten wir national, europäisch und international strikte Regelungen etablieren, welche den Kreislaufgedanken umsetzt und eine energetische Nutzung von Biomasse erst dann präferiert, wenn keine andere Nutzung einen größeren ökologischen Gewinn verspricht.

Die neue Europäische WWF Bioenergie – Strategie versucht aufzuzeigen, wo der WWF sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten für Bioenergie sieht, welche Minimalanforderungen gestellt werden sollten und welche Nutzungsformen, wie zum Beispiel das Verbrennen von ganzen Baumstämmen wir ablehnen.

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