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Hoffnung für die Blauwale Das Herz der Meere

Der Blauwal ist das größte Tier der Welt – und zugleich ein einziges, tiefes Geheimnis: Wir wissen fast nichts über ihn. Dabei können wir nur wirksam schützen, was wir gut kennen. Deshalb begibt sich ein kleines Team des WWF in Chile auf die unbekannten Pfade der Blauwale.

Ein Leben für die Blauwale

„Immer wenn ich einen Blauwal sehe, überkommt mich ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Vielleicht geht es den Walen mit uns ja genauso? Die Blauwale bemerken uns, sie spüren unsere Nähe. Was sie wohl denken?

Diesem Tier will ich mein Leben widmen

Blauwale sind einzigartig - anmutig und überwältigend schön. Sie geben mir Hoffnung. Als ich das erste Mal in meinem Leben einen Blauwal gesehen habe, wusste ich: Diesem Tier will ich mein Leben widmen. Genau so ist es gekommen. Seit mehreren Jahren leite ich das WWF-Blauwalteam in Chile. Etwas Beglückenderes kann ich mir nicht vorstellen.

Mein Traum ist, das größte Tier der Erde am Leben zu erhalten. Denn jahrzehntelang wurde der Blauwal gejagt und fast ausgerottet. Heute ist sein Lebensraum durch Schiffsverkehr, Lärm, Verschmutzungen und industrielle Fischerei bedroht. Wir brauchen dringend Schutzgebiete an den Stellen, die für die Tiere lebenswichtig sind.

Doch dafür müssen wir diese Stellen erstmal kennen. Niemand hat jemals einen Blauwal beim Kalben gesehen. Wir wissen nicht, wo die Meeresriesen ihre Jungen bekommen. Auf welchen Routen wandern sie? Wo sind ihre wichtigsten Futtergebiete? Wollen wir die Tiere wirksam schützen, müssen wir ein paar ihrer großen Geheimnisse lüften.

Deshalb statten wir die Blauwale mit Sendern aus. Über Satellit können wir anschließend ihre Bewegungen verfolgen. Die Daten, die wir so sammeln, helfen uns, die für die Tiere entscheidenden Schutzgebiete auszumachen.

Die Einzelgänger machen uns diese Aufgabe nicht leicht: Sie können problemlos 200 Kilometer am Tag schwimmen und sind verdammt schnell. Wir suchen sie hier in einem riesigen Gebiet. Aber wir müssen mehr Wale mit Sendern ausstatten, und wir müssen dies über einen Zeitraum von mehreren Jahren tun. Denn nur so bekommen wir verlässliche Informationen. Damit können wir den Tieren wirklich helfen.

Oft scheint mir die Rettung der Blauwale wie ein Marathon: Es gibt noch unendlich viel zu tun und gleichzeitig wächst die Bedrohung für die Tiere jeden Tag. Wir dürfen uns nicht ausruhen. Wir werden gebraucht.“

Francisco Viddi vom WWF Chile

Francisco Viddi vom WWF Chile

Den Giganten auf der Spur

Niemand ist mächtiger, schwerer, eindrucksvoller - Blauwale sind die größten Lebewesen unserer Erde. Es ist Zeit, mehr über sie herauszufinden, sonst ist es zu spät und sie verschwinden. Und mit ihnen auch ihre Geheimnisse. © Arco Images
Niemand ist mächtiger, schwerer, eindrucksvoller - Blauwale sind die größten Lebewesen unserer Erde. Es ist Zeit, mehr über sie herauszufinden, sonst ist es zu spät und sie verschwinden. Und mit ihnen auch ihre Geheimnisse. © Arco Images
Auf der ganzen Welt sind rund 130 Meeressäugetierarten bekannt. Allein 51 dieser Arten gibt es hier: Die Chiloé-Corcovado-Region vor der Südküste Chiles ist ein wahrer Hotspot für Meeressäugetiere.  Robert Günther / WWF
Auf der ganzen Welt sind rund 130 Meeressäugetierarten bekannt. Allein 51 dieser Arten gibt es hier: Die Chiloé-Corcovado-Region vor der Südküste Chiles ist ein wahrer Hotspot für Meeressäugetiere. Robert Günther / WWF
Erst im Jahr 2003 entdeckten Wissenschaftler, dass Blauwale vor der chilenischen Küste beheimatet sind. Eine Sensation auch für Francisco Viddi vom WWF Chile. Denn die Tiere sind extrem selten und schwer zu beobachten. © Robert Günther / WWF
Erst im Jahr 2003 entdeckten Wissenschaftler, dass Blauwale vor der chilenischen Küste beheimatet sind. Eine Sensation auch für Francisco Viddi vom WWF Chile. Denn die Tiere sind extrem selten und schwer zu beobachten. © Robert Günther / WWF
Aber wie beobachtet man Blauwale? Sie sind scheu und meiden Menschen. Viele haben noch erlebt, wie ihre Eltern und Verwandten mit Harpunen erlegt wurden. Francisco Viddi will ihnen zeigen, dass sie ihm vertrauen können. © Teo Lucas / WWF
Aber wie beobachtet man Blauwale? Sie sind scheu und meiden Menschen. Viele haben noch erlebt, wie ihre Eltern und Verwandten mit Harpunen erlegt wurden. Francisco Viddi will ihnen zeigen, dass sie ihm vertrauen können. © Teo Lucas / WWF
Francisco und sein WWF-Team arbeiten eng mit den Meeresbiologen vom CBA-Blauwalzentrum (Centro Ballena Azul) zusammen. Oft fahren sie gemeinsam hinaus, um nach den seltenen Blauwalen Ausschau zu halten. © Francisco Viddi / WWF
Francisco und sein WWF-Team arbeiten eng mit den Meeresbiologen vom CBA-Blauwalzentrum (Centro Ballena Azul) zusammen. Oft fahren sie gemeinsam hinaus, um nach den seltenen Blauwalen Ausschau zu halten. © Francisco Viddi / WWF
Blauwale erkennt man nicht nur an der Größe, sondern auch an der Form ihrer Schwanzflosse, der Fluke. Bis zu 4,50 Meter Spannbreite kann sie messen und ist bei jedem Tier so individuell wie ein Fingerabdruck. © Francisco Viddi / WWF
Blauwale erkennt man nicht nur an der Größe, sondern auch an der Form ihrer Schwanzflosse, der Fluke. Bis zu 4,50 Meter Spannbreite kann sie messen und ist bei jedem Tier so individuell wie ein Fingerabdruck. © Francisco Viddi / WWF
Ein weiteres Merkmal ist der Blas: Blauwale stoßen verbrauchte Luft mit einem kräftigen Stoß aus ihrem Atemloch bis zu 12 Meter in die Höhe. Die Fontäne ist von weitem sichtbar und unverkennbar. © Robert Günther / WWF
Ein weiteres Merkmal ist der Blas: Blauwale stoßen verbrauchte Luft mit einem kräftigen Stoß aus ihrem Atemloch bis zu 12 Meter in die Höhe. Die Fontäne ist von weitem sichtbar und unverkennbar. © Robert Günther / WWF
Die Rückenflosse des Blauwals ist fast schon winzig. Aber sie hilft, die einzelnen Tiere zu unterscheiden. Francisco Viddi vom WWF muss möglichst nah herankommen, um Form, Farbe und besondere Kennzeichen zu studieren. © Francisco Viddi / WWF
Die Rückenflosse des Blauwals ist fast schon winzig. Aber sie hilft, die einzelnen Tiere zu unterscheiden. Francisco Viddi vom WWF muss möglichst nah herankommen, um Form, Farbe und besondere Kennzeichen zu studieren. © Francisco Viddi / WWF
Damit erfährt Francisco, welche Blauwale sich im Golf von Corcovado tummeln. Er weiß aber noch nicht, wo sie sich bevorzugt aufhalten und wo ihre Wanderrouten verlaufen. Deshalb will er einige Tiere mit Sendern ausstatten. © Francisco Viddi / WWF
Damit erfährt Francisco, welche Blauwale sich im Golf von Corcovado tummeln. Er weiß aber noch nicht, wo sie sich bevorzugt aufhalten und wo ihre Wanderrouten verlaufen. Deshalb will er einige Tiere mit Sendern ausstatten. © Francisco Viddi / WWF
Die Sender sind extra angefertigte Hightech-Produkte. Mit einer Druckluftharpune werden sie einige Zentimeter in die dicke Fettschicht, den Blubber, geschossen. Der Wal dürfte dabei nur ein Pieksen ähnlich dem Impfen spüren. © Robert Günther / WWF
Die Sender sind extra angefertigte Hightech-Produkte. Mit einer Druckluftharpune werden sie einige Zentimeter in die dicke Fettschicht, den Blubber, geschossen. Der Wal dürfte dabei nur ein Pieksen ähnlich dem Impfen spüren. © Robert Günther / WWF
Es hat geklappt. Der Sender wurde angebracht. Die dafür erforderlichen Techniken beherrschen nur wenige Menschen auf der Welt. Der Blauwal lässt sich nichts anmerken und zieht unbeeindruckt seine Runden.  Robert Günther / WWF
Es hat geklappt. Der Sender wurde angebracht. Die dafür erforderlichen Techniken beherrschen nur wenige Menschen auf der Welt. Der Blauwal lässt sich nichts anmerken und zieht unbeeindruckt seine Runden. Robert Günther / WWF
Der Sender funktioniert. Er funkt zuverlässig seinen Aufenthaltsort über einen Satelliten an Francisco und sein Team. Eine Computersoftware rechnet die Daten um - die Route der Blauwale wird sichtbar. © Robert Günther / WWF
Der Sender funktioniert. Er funkt zuverlässig seinen Aufenthaltsort über einen Satelliten an Francisco und sein Team. Eine Computersoftware rechnet die Daten um - die Route der Blauwale wird sichtbar. © Robert Günther / WWF
Die ersten Ergebnisse zeigen zum Beispiel: Die Wale schwimmen zur Nahrungssuche oft in die Nähe der Küsten. Doch hier sind die menschlichen Aktivitäten am intensivsten. Hier erwarten die Blauwale die größten Gefahren. © Francisco Viddi / WWF
Die ersten Ergebnisse zeigen zum Beispiel: Die Wale schwimmen zur Nahrungssuche oft in die Nähe der Küsten. Doch hier sind die menschlichen Aktivitäten am intensivsten. Hier erwarten die Blauwale die größten Gefahren. © Francisco Viddi / WWF
Der Schiffsverkehr ist eine große Bedrohung. Der Lärm stört Kommunikation und Orientierung der Wale. Es gab auch schon tödliche Zusammenstöße. Die Sender zeigen nun: Blauwale kreuzen regelmäßig Schiffsrouten. © Francisco Viddi / WWF
Der Schiffsverkehr ist eine große Bedrohung. Der Lärm stört Kommunikation und Orientierung der Wale. Es gab auch schon tödliche Zusammenstöße. Die Sender zeigen nun: Blauwale kreuzen regelmäßig Schiffsrouten. © Francisco Viddi / WWF
Eine weitere Überraschung: Die Blauwale kommen Aquakulturen sehr nah. Hier verschmutzen Nahrungsreste, Rückstände aus eingesetzten Arzneimitteln und Fäkalien das Wasser. © Robert Günther / WWF
Eine weitere Überraschung: Die Blauwale kommen Aquakulturen sehr nah. Hier verschmutzen Nahrungsreste, Rückstände aus eingesetzten Arzneimitteln und Fäkalien das Wasser. © Robert Günther / WWF
Francisco hofft, noch einige Jahre Blauwale besendern zu können. Nur wenn er und sein Team das Verhalten der Wale genau verstehen, können sie wirklich helfen und Schutzgebiete schaffen. © Robert Günther / WWF
Francisco hofft, noch einige Jahre Blauwale besendern zu können. Nur wenn er und sein Team das Verhalten der Wale genau verstehen, können sie wirklich helfen und Schutzgebiete schaffen. © Robert Günther / WWF

„Im Angesicht eines Blauwals merkst Du erst, wie klein und unbedeutend Du bist.“ Francisco Viddi vom WWF weiß, dass es ein Privileg ist, die faszinierenden Tiere zu beobachten. Und nur aus der Nähe kann er sie voneinander unterscheiden.

Welche Eigenarten kennzeichnen die Riesen der Meere? Welche Geheimnisse bewahren sie? Und wie legt man einem Blauwal einen Sender an?

Die Wanderrouten der Blauwale

Wo halten sich die Blauwale hauptsächlich auf? Wo bekommen sie ihre Jungen? Schon die ersten Daten unserer Blauwal-Besenderung verraten viel: In den Sommermonaten tummelt sich eine Population von Blauwalen im Golf von Corcovado, um sich für ihre bevorstehende Wanderung genügend Fett anzufressen. Kurz nach unserer Besenderung machen sie sich dann auf die Reise in die Weiten des pazifischen Ozeans. Ihr Ziel: unbekannt.

Schon bald folgen weitere spannende Erkenntnisse: Innerhalb von acht Wochen legten einige der besenderten Blauwale bereits eine Strecke von mehr als 4000 Kilometern in Richtung Äquator zurück. Dabei tauchten sie bis zu 150 Meter tief.

In den nächsten fünf Jahren müssen allerdings noch viele weitere Blauwale besendert werden. Nur so können wir verlässliche Muster erkennen. Nur so kommen wir unserem Ziel ein Stück näher: Schutzgebiete einzurichten, die den Giganten bei ihrer Wanderung, Kalbung und Nahrungssuche die nötige Sicherheit bieten - ohne Bedrohung durch Schiffsverkehr, industrielle Fischerei oder Lachsfarmen in den Küstengewässern.

Hand aufs Herz: Wal-Wissen

Der längste Blauwal, die höchste Wasserfontäne und das größte Herz der Welt: Spannende und rekordverdächtige Fakten zum Rätseln und Staunen. Viel Spaß!

Retten Sie die blauen Riesen

Unterstützen Sie unsere Arbeit vor der Küste Chiles und bewahren Sie die größten Tiere der Welt vor dem Untergang!