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Keine Kohle für Kohle

16. März 2017

G20-Finanzminister treffen sich in Baden-Baden/WWF: Umweltrisiken dürfen bei Finanzierungsentscheidungen nicht länger vernachlässigt werden

© iStock / Getty Images
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Die Stabilität unseres Wirtschafts- und Finanzsystems fußt zum großen Teil auf einer intakten und widerstandsfähigen Umwelt. „Zwischen unserem Wohlstand und den natürlichen Lebensgrundlagen besteht eine weithin unterschätzte Wechselwirkung. Diesem Zusammenhang tragen die Finanzmärkte noch keine Rechnung. Es ist höchste Zeit, dass sich das ändert“, fordert Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland, angesichts des G20-Finanzministertreffens am 17. und 18. März in Baden-Baden.

 

„Die Welt befindet sich im Umbau: Im Kampf gegen Klimawandel und Naturzerstörung und im Bemühen, die Weltwirtschaft nachhaltig auszurichten, entscheidet sich die Zukunft unseres Wohlstands. Verschlafen die verantwortlichen Akteure auf den Finanzmärkten diese Entwicklung, werden sie sich schon bald zum Beispiel mit entwerteten Industrieanlagen konfrontiert sehen, sogenannten Stranded Assets.“ Ein „weiter wie bisher“ kann gravierende Folgen für Millionen von Menschen haben, wenn etwa deren Altersvorsorge in Pensionsfonds durch Wertverluste betroffen ist.

 

Deshalb müssen die Finanzminister und Notenbankchefs der G20 sicherstellen, dass bei  Finanzierungsentscheidungen künftig auch Umweltrisiken ausreichend erfasst und berücksichtigt werden. „Ein Schritt auf diesem Weg besteht darin, die Empfehlungen der Arbeitsgruppe zur Transparenz finanzieller Klimarisiken (TCFD) in der Gruppe der G20 auch auf Ebene der Finanzmarktregulierer zu implementieren“, so Heinrich. Außerdem sollte die Forschungsgruppe zur sogenannten Green Finance über die deutsche Präsidentschaft hinaus fester Bestandteil der G20 werden.

 

Schon heute gibt es zudem robuste Szenarien, die sich mit der Frage beschäftigen: Wie würde sich eine Welt, die sich komplett am Ziel einer maximalen Klimaerwärmung von zwei Grad orientiert, zum Beispiel auf Unternehmenswerte und Investitionsportfolien auswirken? Diese Szenarien liefern wichtige Erkenntnisse, an denen sich die G20 orientieren können. Sinnvoll wäre in diesem Zusammenhang auch die Einrichtung einer Plattform für den Wissensaustausch, um die Herangehensweise an Risikoerfassung und Begrenzung der Wirkungswege zu entwickeln und zu koordinieren. „Für die Akzeptanz in Finanzmärkten brauchen wir eine breite Basis aus Politik, Unternehmen und Experten aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft – nur so kommen wir bei der Verknüpfung von Umweltrisiken, sozialen Risiken und finanzieller Stabilität voran.“

 

Ein weiteres wichtiges Handlungsfeld ist es, die absurden Wirkungen internationaler Subventionspolitik zu vermeiden. „Die Politik muss unter klima- und umweltschädliche Subventionen, zum Beispiel für fossile Energien, endlich einen Schlussstrich ziehen. Es ist ein Armutszeugnis, dass immer weiter öffentliche Gelder in Produkte und Unternehmen fließen, die unsere Lebensgrundlagen gefährden. Und das, obwohl die G20-Staaten schon 2009 zugesagt haben, fossile Energien nicht länger zu subventionieren“, sagt Heinrich. Der WWF fordert die G20-Finanzminister auf, endlich einen konkreten Fahrplan für den Ausstieg aus den Subventionen zu entwickeln: Bis 2020 muss endgültig Schluss sein.

 

„Bislang sehen wir noch nicht, dass die UN-Ziele zur nachhaltigen Entwicklung und das Pariser Klimaabkommen auf den Finanzmärkten ausreichend Berücksichtigung finden. Das muss sich dringend ändern. In den kommenden zwei Tagen haben es die Finanzminister der 20 größten Wirtschaftsnationen in der Hand, die Weichen so zu stellen, dass sich die Finanzmärkte in Zukunft an einer nachhaltigen Entwicklung ausrichten – und diese gleichzeitig fördern.“

KONTAKT

Lea Sibbel

Pressestelle

Tel.: 030 311 777 467

lea.sibbel(at)wwf.de

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